Beirut - die zerrissene Königin des Nahen Ostens.
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Beirut - Koeniging der WeltBeirut trägt einen malerischen Beinamen: "Paris des Ostens". Seit kurzem wird die libanesische Hauptstadt in Reiseführen und Medien als "die" Partystadt an der Levante gepriesen. Dabei sind seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel nur vier Jahre vergangen, und Grenzgeplänkel mit den Nachbarn gibt es im Halbjahres-Takt. Zudem steht das kleine - theoretisch unabhängige - Land zwischen den Mächten: Der Libanon wird umworben nicht nur von Teheran und dessen Präsidenten Ahmadinedschad, sondern auch von Syrien, von Europa und den USA.
Beirut ist gespalten - und das ist auch der Rest des Landes. Regionen, Viertel und Häuser sind unterteilt in religiöse und politische Einflussräume. Die Grenzen sind meistens nicht zu erkennen und für einen Europäer erst recht kaum nachzuvollziehen. Gäbe es nicht die Rue Damaskus, wo zerbombte Häuser noch immer in den Himmel ragen, und gäbe es nicht die allgegenwärtigen Militärposten der Armee: Dann würde man angesichts des Baubooms und der schicken Autos auf Beiruts Straßen denken: Das muss ein Traum aus 1001 Nacht sein. Doch Beirut ist eben nicht Dubai: Auch wenn die meisten Offroader ein arabisches Kennzeichen haben und sich im wieder aufgebauten Zentrum Flagstores der internationalen Luxusmarken wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Der Osten ist immer noch vorwiegend christlich, der Westen und Süden muslimisch.
Die Menschen in Beirut sind Meister der Verdrängung und des Vergessens. Ein Erbe von 30 Jahren mit Kriegen und Besatzungen durch fremde Mächte - und nicht zuletzt dem Bürgerkrieg. Kaum ist die letzte Bombe gefallen, wird nach vorne geschaut, wird der Schutt zur Seite geschoben, wird neu gebaut. Wie in Dahiye, dem Machtzentrum der Hisbollah. 2006 verwandelten israelische Angriffe es weitgehend in eine Trümmerlandschaft - danach entstanden in Rekordzeit neue Wohnblocks. Im Stadtzentrum errichtet die Firma Solidere des ermordeten, ehemaligen Premier al-Hariri ein Disneyland für superreiche Araber. Authentisch und doch zugleich surreal werden alte Fassaden instand gesetzt, Neubauten aus dem Boden gestampft und einzig eine durchschossene Skulptur am Martyrs' Square hält einsam die Erinnerung an die Tage wach, in denen hier Kriegsgebiet war.
Die Bewohner Beiruts schreiten unaufhaltsam voran. Die Stadt ist teuer, das macht das Überleben nicht einfacher. Jeder wirkt beschäftigt, ist unterwegs auf der Suche nach einem Geschäftsabschluss, einem Job für den Tag oder einer Speisung für sich und die Familie durch Wohltätige. Besonders junge Männer gehen zum Arbeiten ins Ausland. Die Zurückbleibenden arrangieren sich. Sein Viertel verlassen muss niemand wirklich. Durch die religiöse Separation während des Bürgerkrieges sind die Stadtgebiete autark geworden, so dass ein Wechsel in ein anderes Quartier nicht notwendig ist. Nur die Corniche, die lange Küstenpromenade wird von allen gleich genutzt. Hier begegnen sich die 18 Konfessionen der Stadt. Zwar gibt es auch hier Grenzen: So gehört die Taubengrotte - ein Wahrzeichen Beiruts - eindeutig den Muslimen und die elitären Jacht- und Beachclubs gehören scheinbar den Christen. Unter den Palmen aber, deren Stämme teilweise noch Schusslöcher aufweisen, tummeln sich je nach Tageszeit Jogger, Fahrradfahrer, Touristen, fliegende Händler und Nachtschwärmer in friedlicher Eintracht.
Seit Jahrzehnten dominieren die gleichen Männer das gesellschaftliche und politische Geschehen. Sie heißen Bachir Gemayel, Samir Geagea, Amin Gemayel, Walid Dschumblat, Michel Aoun und Hassan Nasrallah. Ihre Konterfeis schmücken unzählige Hauswände, Mauern, Tore und Autos. Selbstverständlich streng getrennt nach Quartier. Wer gerade mit wem paktiert oder gerade wieder nicht: Das ist eines der großen Rätsel des politischen Tagesgeschäfts im Libanon. Die Menschen und die Medien haben eine Analyse weitgehend aufgegeben. Ob Optimist oder Zyniker, von beiden gibt es in Beirut genug - keinen verbindet noch etwas Positives mit der politischen Klasse des Landes. Zu oft wurden die Hoffnungen der Menschen im Ränkespiel der Macht veräußert. Das letzte Mal geschah das im Jahre 2008, als die Hisbollah das Zentrum von Beirut 18 Monate besetzte, um die Regierung aus dem Amt zu jagen. Seit Juni 2009 verhandelt der gewählte Premier Saad al-Hariri mit allen Parteien über ein Kabinett, ein Abschluss ist nicht in Sicht. Die Bewohner Beiruts kommentieren die politische Entwicklung oft nur noch mit einem Schulterzucken. Ein Blick zurück: Das bedeutet, anzuhalten und über die emotionale und gesellschaftliche Zerstörung ihrer einstmals so einmaligen Lebensgemeinschaft nachzudenken. Es muss weiter gehen, der Blick wird nach Vorne gerichtet. Nur weg vom Gestern hinein in die Zukunft - so kurz sie auch sein mag.
Beirut! O queen of the world
Beirut! O Queen of the world . . . Who sold your ruby-chiselled bracelets? Who took away your magic ring, And cut out your golden nails? Who killed the joy in your green eyes, Slashed your face with a knife, And threw burning acid on your lovely lips? Who poisoned the sea water And sprinkled hatred on your rosy beaches? Here we come . . . to apologize . . . to confess That we fired on you with a tribal spirit . . . And killed a woman . . . once called (Liberty) . . .
What can we say, Beirut . . . When the essence of human sorrow is in your eye And the ashes of civil war on your breast? What can we say, O, summer fan and damask rose? Beirut--Who ever thought we would meet As you lay in ruins? Who ever thought the eye one day would be at war with the lashes? What can we say, my pearl . . . My wheat flower . . . My pen My dream My poem? How could you become cruel When you were as delicate as a nymph? I cannot understand how the sparrow Turned into a wild night cat . . . I cannot understand, at all, O Beirut I cannot understand how you denied God And fell back into paganism . . .
Rise out of the blue wave, Ishtar! Rise up as a rose poem Rise up as a fiery poem There was nothing before you Nothing after you Nothing like you You, quintessence of all time You, field of pearls . . . Harbour of love . . . The peacock of water Rise up for love's sake For the poets The bread The poor Love is beckoning you . . . Queen of Queens . . . God wants you, most beautiful Queen You paid a high price for your beauty As all beauties do You paid a high price For all the words . . .
Nizar Kabbani
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Beirut - Koeniging der WeltBeirut trägt einen malerischen Beinamen: "Paris des Ostens". Seit kurzem wird die libanesische Hauptstadt in Reiseführen und Medien als "die" Partystadt an der Levante gepriesen. Dabei sind seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel nur vier Jahre vergangen, und Grenzgeplänkel mit den Nachbarn gibt es im Halbjahres-Takt. Zudem steht das kleine - theoretisch unabhängige - Land zwischen den Mächten: Der Libanon wird umworben nicht nur von Teheran und dessen Präsidenten Ahmadinedschad, sondern auch von Syrien, von Europa und den USA.
Beirut ist gespalten - und das ist auch der Rest des Landes. Regionen, Viertel und Häuser sind unterteilt in religiöse und politische Einflussräume. Die Grenzen sind meistens nicht zu erkennen und für einen Europäer erst recht kaum nachzuvollziehen. Gäbe es nicht die Rue Damaskus, wo zerbombte Häuser noch immer in den Himmel ragen, und gäbe es nicht die allgegenwärtigen Militärposten der Armee: Dann würde man angesichts des Baubooms und der schicken Autos auf Beiruts Straßen denken: Das muss ein Traum aus 1001 Nacht sein. Doch Beirut ist eben nicht Dubai: Auch wenn die meisten Offroader ein arabisches Kennzeichen haben und sich im wieder aufgebauten Zentrum Flagstores der internationalen Luxusmarken wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Der Osten ist immer noch vorwiegend christlich, der Westen und Süden muslimisch.
Die Menschen in Beirut sind Meister der Verdrängung und des Vergessens. Ein Erbe von 30 Jahren mit Kriegen und Besatzungen durch fremde Mächte - und nicht zuletzt dem Bürgerkrieg. Kaum ist die letzte Bombe gefallen, wird nach vorne geschaut, wird der Schutt zur Seite geschoben, wird neu gebaut. Wie in Dahiye, dem Machtzentrum der Hisbollah. 2006 verwandelten israelische Angriffe es weitgehend in eine Trümmerlandschaft - danach entstanden in Rekordzeit neue Wohnblocks. Im Stadtzentrum errichtet die Firma Solidere des ermordeten, ehemaligen Premier al-Hariri ein Disneyland für superreiche Araber. Authentisch und doch zugleich surreal werden alte Fassaden instand gesetzt, Neubauten aus dem Boden gestampft und einzig eine durchschossene Skulptur am Martyrs' Square hält einsam die Erinnerung an die Tage wach, in denen hier Kriegsgebiet war.
Die Bewohner Beiruts schreiten unaufhaltsam voran. Die Stadt ist teuer, das macht das Überleben nicht einfacher. Jeder wirkt beschäftigt, ist unterwegs auf der Suche nach einem Geschäftsabschluss, einem Job für den Tag oder einer Speisung für sich und die Familie durch Wohltätige. Besonders junge Männer gehen zum Arbeiten ins Ausland. Die Zurückbleibenden arrangieren sich. Sein Viertel verlassen muss niemand wirklich. Durch die religiöse Separation während des Bürgerkrieges sind die Stadtgebiete autark geworden, so dass ein Wechsel in ein anderes Quartier nicht notwendig ist. Nur die Corniche, die lange Küstenpromenade wird von allen gleich genutzt. Hier begegnen sich die 18 Konfessionen der Stadt. Zwar gibt es auch hier Grenzen: So gehört die Taubengrotte - ein Wahrzeichen Beiruts - eindeutig den Muslimen und die elitären Jacht- und Beachclubs gehören scheinbar den Christen. Unter den Palmen aber, deren Stämme teilweise noch Schusslöcher aufweisen, tummeln sich je nach Tageszeit Jogger, Fahrradfahrer, Touristen, fliegende Händler und Nachtschwärmer in friedlicher Eintracht.
Seit Jahrzehnten dominieren die gleichen Männer das gesellschaftliche und politische Geschehen. Sie heißen Bachir Gemayel, Samir Geagea, Amin Gemayel, Walid Dschumblat, Michel Aoun und Hassan Nasrallah. Ihre Konterfeis schmücken unzählige Hauswände, Mauern, Tore und Autos. Selbstverständlich streng getrennt nach Quartier. Wer gerade mit wem paktiert oder gerade wieder nicht: Das ist eines der großen Rätsel des politischen Tagesgeschäfts im Libanon. Die Menschen und die Medien haben eine Analyse weitgehend aufgegeben. Ob Optimist oder Zyniker, von beiden gibt es in Beirut genug - keinen verbindet noch etwas Positives mit der politischen Klasse des Landes. Zu oft wurden die Hoffnungen der Menschen im Ränkespiel der Macht veräußert. Das letzte Mal geschah das im Jahre 2008, als die Hisbollah das Zentrum von Beirut 18 Monate besetzte, um die Regierung aus dem Amt zu jagen. Seit Juni 2009 verhandelt der gewählte Premier Saad al-Hariri mit allen Parteien über ein Kabinett, ein Abschluss ist nicht in Sicht. Die Bewohner Beiruts kommentieren die politische Entwicklung oft nur noch mit einem Schulterzucken. Ein Blick zurück: Das bedeutet, anzuhalten und über die emotionale und gesellschaftliche Zerstörung ihrer einstmals so einmaligen Lebensgemeinschaft nachzudenken. Es muss weiter gehen, der Blick wird nach Vorne gerichtet. Nur weg vom Gestern hinein in die Zukunft - so kurz sie auch sein mag.
Beirut! O queen of the world
Beirut! O Queen of the world . . . Who sold your ruby-chiselled bracelets? Who took away your magic ring, And cut out your golden nails? Who killed the joy in your green eyes, Slashed your face with a knife, And threw burning acid on your lovely lips? Who poisoned the sea water And sprinkled hatred on your rosy beaches? Here we come . . . to apologize . . . to confess That we fired on you with a tribal spirit . . . And killed a woman . . . once called (Liberty) . . .
What can we say, Beirut . . . When the essence of human sorrow is in your eye And the ashes of civil war on your breast? What can we say, O, summer fan and damask rose? Beirut--Who ever thought we would meet As you lay in ruins? Who ever thought the eye one day would be at war with the lashes? What can we say, my pearl . . . My wheat flower . . . My pen My dream My poem? How could you become cruel When you were as delicate as a nymph? I cannot understand how the sparrow Turned into a wild night cat . . . I cannot understand, at all, O Beirut I cannot understand how you denied God And fell back into paganism . . .
Rise out of the blue wave, Ishtar! Rise up as a rose poem Rise up as a fiery poem There was nothing before you Nothing after you Nothing like you You, quintessence of all time You, field of pearls . . . Harbour of love . . . The peacock of water Rise up for love's sake For the poets The bread The poor Love is beckoning you . . . Queen of Queens . . . God wants you, most beautiful Queen You paid a high price for your beauty As all beauties do You paid a high price For all the words . . .
Nizar Kabbani
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Beirut - Koeniging der WeltBeirut trägt einen malerischen Beinamen: "Paris des Ostens". Seit kurzem wird die libanesische Hauptstadt in Reiseführen und Medien als "die" Partystadt an der Levante gepriesen. Dabei sind seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel nur vier Jahre vergangen, und Grenzgeplänkel mit den Nachbarn gibt es im Halbjahres-Takt. Zudem steht das kleine - theoretisch unabhängige - Land zwischen den Mächten: Der Libanon wird umworben nicht nur von Teheran und dessen Präsidenten Ahmadinedschad, sondern auch von Syrien, von Europa und den USA.
Beirut ist gespalten - und das ist auch der Rest des Landes. Regionen, Viertel und Häuser sind unterteilt in religiöse und politische Einflussräume. Die Grenzen sind meistens nicht zu erkennen und für einen Europäer erst recht kaum nachzuvollziehen. Gäbe es nicht die Rue Damaskus, wo zerbombte Häuser noch immer in den Himmel ragen, und gäbe es nicht die allgegenwärtigen Militärposten der Armee: Dann würde man angesichts des Baubooms und der schicken Autos auf Beiruts Straßen denken: Das muss ein Traum aus 1001 Nacht sein. Doch Beirut ist eben nicht Dubai: Auch wenn die meisten Offroader ein arabisches Kennzeichen haben und sich im wieder aufgebauten Zentrum Flagstores der internationalen Luxusmarken wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Der Osten ist immer noch vorwiegend christlich, der Westen und Süden muslimisch.
Die Menschen in Beirut sind Meister der Verdrängung und des Vergessens. Ein Erbe von 30 Jahren mit Kriegen und Besatzungen durch fremde Mächte - und nicht zuletzt dem Bürgerkrieg. Kaum ist die letzte Bombe gefallen, wird nach vorne geschaut, wird der Schutt zur Seite geschoben, wird neu gebaut. Wie in Dahiye, dem Machtzentrum der Hisbollah. 2006 verwandelten israelische Angriffe es weitgehend in eine Trümmerlandschaft - danach entstanden in Rekordzeit neue Wohnblocks. Im Stadtzentrum errichtet die Firma Solidere des ermordeten, ehemaligen Premier al-Hariri ein Disneyland für superreiche Araber. Authentisch und doch zugleich surreal werden alte Fassaden instand gesetzt, Neubauten aus dem Boden gestampft und einzig eine durchschossene Skulptur am Martyrs' Square hält einsam die Erinnerung an die Tage wach, in denen hier Kriegsgebiet war.
Die Bewohner Beiruts schreiten unaufhaltsam voran. Die Stadt ist teuer, das macht das Überleben nicht einfacher. Jeder wirkt beschäftigt, ist unterwegs auf der Suche nach einem Geschäftsabschluss, einem Job für den Tag oder einer Speisung für sich und die Familie durch Wohltätige. Besonders junge Männer gehen zum Arbeiten ins Ausland. Die Zurückbleibenden arrangieren sich. Sein Viertel verlassen muss niemand wirklich. Durch die religiöse Separation während des Bürgerkrieges sind die Stadtgebiete autark geworden, so dass ein Wechsel in ein anderes Quartier nicht notwendig ist. Nur die Corniche, die lange Küstenpromenade wird von allen gleich genutzt. Hier begegnen sich die 18 Konfessionen der Stadt. Zwar gibt es auch hier Grenzen: So gehört die Taubengrotte - ein Wahrzeichen Beiruts - eindeutig den Muslimen und die elitären Jacht- und Beachclubs gehören scheinbar den Christen. Unter den Palmen aber, deren Stämme teilweise noch Schusslöcher aufweisen, tummeln sich je nach Tageszeit Jogger, Fahrradfahrer, Touristen, fliegende Händler und Nachtschwärmer in friedlicher Eintracht.
Seit Jahrzehnten dominieren die gleichen Männer das gesellschaftliche und politische Geschehen. Sie heißen Bachir Gemayel, Samir Geagea, Amin Gemayel, Walid Dschumblat, Michel Aoun und Hassan Nasrallah. Ihre Konterfeis schmücken unzählige Hauswände, Mauern, Tore und Autos. Selbstverständlich streng getrennt nach Quartier. Wer gerade mit wem paktiert oder gerade wieder nicht: Das ist eines der großen Rätsel des politischen Tagesgeschäfts im Libanon. Die Menschen und die Medien haben eine Analyse weitgehend aufgegeben. Ob Optimist oder Zyniker, von beiden gibt es in Beirut genug - keinen verbindet noch etwas Positives mit der politischen Klasse des Landes. Zu oft wurden die Hoffnungen der Menschen im Ränkespiel der Macht veräußert. Das letzte Mal geschah das im Jahre 2008, als die Hisbollah das Zentrum von Beirut 18 Monate besetzte, um die Regierung aus dem Amt zu jagen. Seit Juni 2009 verhandelt der gewählte Premier Saad al-Hariri mit allen Parteien über ein Kabinett, ein Abschluss ist nicht in Sicht. Die Bewohner Beiruts kommentieren die politische Entwicklung oft nur noch mit einem Schulterzucken. Ein Blick zurück: Das bedeutet, anzuhalten und über die emotionale und gesellschaftliche Zerstörung ihrer einstmals so einmaligen Lebensgemeinschaft nachzudenken. Es muss weiter gehen, der Blick wird nach Vorne gerichtet. Nur weg vom Gestern hinein in die Zukunft - so kurz sie auch sein mag.
Beirut! O queen of the world
Beirut! O Queen of the world . . . Who sold your ruby-chiselled bracelets? Who took away your magic ring, And cut out your golden nails? Who killed the joy in your green eyes, Slashed your face with a knife, And threw burning acid on your lovely lips? Who poisoned the sea water And sprinkled hatred on your rosy beaches? Here we come . . . to apologize . . . to confess That we fired on you with a tribal spirit . . . And killed a woman . . . once called (Liberty) . . .
What can we say, Beirut . . . When the essence of human sorrow is in your eye And the ashes of civil war on your breast? What can we say, O, summer fan and damask rose? Beirut--Who ever thought we would meet As you lay in ruins? Who ever thought the eye one day would be at war with the lashes? What can we say, my pearl . . . My wheat flower . . . My pen My dream My poem? How could you become cruel When you were as delicate as a nymph? I cannot understand how the sparrow Turned into a wild night cat . . . I cannot understand, at all, O Beirut I cannot understand how you denied God And fell back into paganism . . .
Rise out of the blue wave, Ishtar! Rise up as a rose poem Rise up as a fiery poem There was nothing before you Nothing after you Nothing like you You, quintessence of all time You, field of pearls . . . Harbour of love . . . The peacock of water Rise up for love's sake For the poets The bread The poor Love is beckoning you . . . Queen of Queens . . . God wants you, most beautiful Queen You paid a high price for your beauty As all beauties do You paid a high price For all the words . . .
Nizar Kabbani
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Beirut - Koeniging der WeltBeirut trägt einen malerischen Beinamen: "Paris des Ostens". Seit kurzem wird die libanesische Hauptstadt in Reiseführen und Medien als "die" Partystadt an der Levante gepriesen. Dabei sind seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel nur vier Jahre vergangen, und Grenzgeplänkel mit den Nachbarn gibt es im Halbjahres-Takt. Zudem steht das kleine - theoretisch unabhängige - Land zwischen den Mächten: Der Libanon wird umworben nicht nur von Teheran und dessen Präsidenten Ahmadinedschad, sondern auch von Syrien, von Europa und den USA.
Beirut ist gespalten - und das ist auch der Rest des Landes. Regionen, Viertel und Häuser sind unterteilt in religiöse und politische Einflussräume. Die Grenzen sind meistens nicht zu erkennen und für einen Europäer erst recht kaum nachzuvollziehen. Gäbe es nicht die Rue Damaskus, wo zerbombte Häuser noch immer in den Himmel ragen, und gäbe es nicht die allgegenwärtigen Militärposten der Armee: Dann würde man angesichts des Baubooms und der schicken Autos auf Beiruts Straßen denken: Das muss ein Traum aus 1001 Nacht sein. Doch Beirut ist eben nicht Dubai: Auch wenn die meisten Offroader ein arabisches Kennzeichen haben und sich im wieder aufgebauten Zentrum Flagstores der internationalen Luxusmarken wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Der Osten ist immer noch vorwiegend christlich, der Westen und Süden muslimisch.
Die Menschen in Beirut sind Meister der Verdrängung und des Vergessens. Ein Erbe von 30 Jahren mit Kriegen und Besatzungen durch fremde Mächte - und nicht zuletzt dem Bürgerkrieg. Kaum ist die letzte Bombe gefallen, wird nach vorne geschaut, wird der Schutt zur Seite geschoben, wird neu gebaut. Wie in Dahiye, dem Machtzentrum der Hisbollah. 2006 verwandelten israelische Angriffe es weitgehend in eine Trümmerlandschaft - danach entstanden in Rekordzeit neue Wohnblocks. Im Stadtzentrum errichtet die Firma Solidere des ermordeten, ehemaligen Premier al-Hariri ein Disneyland für superreiche Araber. Authentisch und doch zugleich surreal werden alte Fassaden instand gesetzt, Neubauten aus dem Boden gestampft und einzig eine durchschossene Skulptur am Martyrs' Square hält einsam die Erinnerung an die Tage wach, in denen hier Kriegsgebiet war.
Die Bewohner Beiruts schreiten unaufhaltsam voran. Die Stadt ist teuer, das macht das Überleben nicht einfacher. Jeder wirkt beschäftigt, ist unterwegs auf der Suche nach einem Geschäftsabschluss, einem Job für den Tag oder einer Speisung für sich und die Familie durch Wohltätige. Besonders junge Männer gehen zum Arbeiten ins Ausland. Die Zurückbleibenden arrangieren sich. Sein Viertel verlassen muss niemand wirklich. Durch die religiöse Separation während des Bürgerkrieges sind die Stadtgebiete autark geworden, so dass ein Wechsel in ein anderes Quartier nicht notwendig ist. Nur die Corniche, die lange Küstenpromenade wird von allen gleich genutzt. Hier begegnen sich die 18 Konfessionen der Stadt. Zwar gibt es auch hier Grenzen: So gehört die Taubengrotte - ein Wahrzeichen Beiruts - eindeutig den Muslimen und die elitären Jacht- und Beachclubs gehören scheinbar den Christen. Unter den Palmen aber, deren Stämme teilweise noch Schusslöcher aufweisen, tummeln sich je nach Tageszeit Jogger, Fahrradfahrer, Touristen, fliegende Händler und Nachtschwärmer in friedlicher Eintracht.
Seit Jahrzehnten dominieren die gleichen Männer das gesellschaftliche und politische Geschehen. Sie heißen Bachir Gemayel, Samir Geagea, Amin Gemayel, Walid Dschumblat, Michel Aoun und Hassan Nasrallah. Ihre Konterfeis schmücken unzählige Hauswände, Mauern, Tore und Autos. Selbstverständlich streng getrennt nach Quartier. Wer gerade mit wem paktiert oder gerade wieder nicht: Das ist eines der großen Rätsel des politischen Tagesgeschäfts im Libanon. Die Menschen und die Medien haben eine Analyse weitgehend aufgegeben. Ob Optimist oder Zyniker, von beiden gibt es in Beirut genug - keinen verbindet noch etwas Positives mit der politischen Klasse des Landes. Zu oft wurden die Hoffnungen der Menschen im Ränkespiel der Macht veräußert. Das letzte Mal geschah das im Jahre 2008, als die Hisbollah das Zentrum von Beirut 18 Monate besetzte, um die Regierung aus dem Amt zu jagen. Seit Juni 2009 verhandelt der gewählte Premier Saad al-Hariri mit allen Parteien über ein Kabinett, ein Abschluss ist nicht in Sicht. Die Bewohner Beiruts kommentieren die politische Entwicklung oft nur noch mit einem Schulterzucken. Ein Blick zurück: Das bedeutet, anzuhalten und über die emotionale und gesellschaftliche Zerstörung ihrer einstmals so einmaligen Lebensgemeinschaft nachzudenken. Es muss weiter gehen, der Blick wird nach Vorne gerichtet. Nur weg vom Gestern hinein in die Zukunft - so kurz sie auch sein mag.
Beirut! O queen of the world
Beirut! O Queen of the world . . . Who sold your ruby-chiselled bracelets? Who took away your magic ring, And cut out your golden nails? Who killed the joy in your green eyes, Slashed your face with a knife, And threw burning acid on your lovely lips? Who poisoned the sea water And sprinkled hatred on your rosy beaches? Here we come . . . to apologize . . . to confess That we fired on you with a tribal spirit . . . And killed a woman . . . once called (Liberty) . . .
What can we say, Beirut . . . When the essence of human sorrow is in your eye And the ashes of civil war on your breast? What can we say, O, summer fan and damask rose? Beirut--Who ever thought we would meet As you lay in ruins? Who ever thought the eye one day would be at war with the lashes? What can we say, my pearl . . . My wheat flower . . . My pen My dream My poem? How could you become cruel When you were as delicate as a nymph? I cannot understand how the sparrow Turned into a wild night cat . . . I cannot understand, at all, O Beirut I cannot understand how you denied God And fell back into paganism . . .
Rise out of the blue wave, Ishtar! Rise up as a rose poem Rise up as a fiery poem There was nothing before you Nothing after you Nothing like you You, quintessence of all time You, field of pearls . . . Harbour of love . . . The peacock of water Rise up for love's sake For the poets The bread The poor Love is beckoning you . . . Queen of Queens . . . God wants you, most beautiful Queen You paid a high price for your beauty As all beauties do You paid a high price For all the words . . .
Nizar Kabbani
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Beirut - Koeniging der WeltBeirut trägt einen malerischen Beinamen: "Paris des Ostens". Seit kurzem wird die libanesische Hauptstadt in Reiseführen und Medien als "die" Partystadt an der Levante gepriesen. Dabei sind seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel nur vier Jahre vergangen, und Grenzgeplänkel mit den Nachbarn gibt es im Halbjahres-Takt. Zudem steht das kleine - theoretisch unabhängige - Land zwischen den Mächten: Der Libanon wird umworben nicht nur von Teheran und dessen Präsidenten Ahmadinedschad, sondern auch von Syrien, von Europa und den USA.
Beirut ist gespalten - und das ist auch der Rest des Landes. Regionen, Viertel und Häuser sind unterteilt in religiöse und politische Einflussräume. Die Grenzen sind meistens nicht zu erkennen und für einen Europäer erst recht kaum nachzuvollziehen. Gäbe es nicht die Rue Damaskus, wo zerbombte Häuser noch immer in den Himmel ragen, und gäbe es nicht die allgegenwärtigen Militärposten der Armee: Dann würde man angesichts des Baubooms und der schicken Autos auf Beiruts Straßen denken: Das muss ein Traum aus 1001 Nacht sein. Doch Beirut ist eben nicht Dubai: Auch wenn die meisten Offroader ein arabisches Kennzeichen haben und sich im wieder aufgebauten Zentrum Flagstores der internationalen Luxusmarken wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Der Osten ist immer noch vorwiegend christlich, der Westen und Süden muslimisch.
Die Menschen in Beirut sind Meister der Verdrängung und des Vergessens. Ein Erbe von 30 Jahren mit Kriegen und Besatzungen durch fremde Mächte - und nicht zuletzt dem Bürgerkrieg. Kaum ist die letzte Bombe gefallen, wird nach vorne geschaut, wird der Schutt zur Seite geschoben, wird neu gebaut. Wie in Dahiye, dem Machtzentrum der Hisbollah. 2006 verwandelten israelische Angriffe es weitgehend in eine Trümmerlandschaft - danach entstanden in Rekordzeit neue Wohnblocks. Im Stadtzentrum errichtet die Firma Solidere des ermordeten, ehemaligen Premier al-Hariri ein Disneyland für superreiche Araber. Authentisch und doch zugleich surreal werden alte Fassaden instand gesetzt, Neubauten aus dem Boden gestampft und einzig eine durchschossene Skulptur am Martyrs' Square hält einsam die Erinnerung an die Tage wach, in denen hier Kriegsgebiet war.
Die Bewohner Beiruts schreiten unaufhaltsam voran. Die Stadt ist teuer, das macht das Überleben nicht einfacher. Jeder wirkt beschäftigt, ist unterwegs auf der Suche nach einem Geschäftsabschluss, einem Job für den Tag oder einer Speisung für sich und die Familie durch Wohltätige. Besonders junge Männer gehen zum Arbeiten ins Ausland. Die Zurückbleibenden arrangieren sich. Sein Viertel verlassen muss niemand wirklich. Durch die religiöse Separation während des Bürgerkrieges sind die Stadtgebiete autark geworden, so dass ein Wechsel in ein anderes Quartier nicht notwendig ist. Nur die Corniche, die lange Küstenpromenade wird von allen gleich genutzt. Hier begegnen sich die 18 Konfessionen der Stadt. Zwar gibt es auch hier Grenzen: So gehört die Taubengrotte - ein Wahrzeichen Beiruts - eindeutig den Muslimen und die elitären Jacht- und Beachclubs gehören scheinbar den Christen. Unter den Palmen aber, deren Stämme teilweise noch Schusslöcher aufweisen, tummeln sich je nach Tageszeit Jogger, Fahrradfahrer, Touristen, fliegende Händler und Nachtschwärmer in friedlicher Eintracht.
Seit Jahrzehnten dominieren die gleichen Männer das gesellschaftliche und politische Geschehen. Sie heißen Bachir Gemayel, Samir Geagea, Amin Gemayel, Walid Dschumblat, Michel Aoun und Hassan Nasrallah. Ihre Konterfeis schmücken unzählige Hauswände, Mauern, Tore und Autos. Selbstverständlich streng getrennt nach Quartier. Wer gerade mit wem paktiert oder gerade wieder nicht: Das ist eines der großen Rätsel des politischen Tagesgeschäfts im Libanon. Die Menschen und die Medien haben eine Analyse weitgehend aufgegeben. Ob Optimist oder Zyniker, von beiden gibt es in Beirut genug - keinen verbindet noch etwas Positives mit der politischen Klasse des Landes. Zu oft wurden die Hoffnungen der Menschen im Ränkespiel der Macht veräußert. Das letzte Mal geschah das im Jahre 2008, als die Hisbollah das Zentrum von Beirut 18 Monate besetzte, um die Regierung aus dem Amt zu jagen. Seit Juni 2009 verhandelt der gewählte Premier Saad al-Hariri mit allen Parteien über ein Kabinett, ein Abschluss ist nicht in Sicht. Die Bewohner Beiruts kommentieren die politische Entwicklung oft nur noch mit einem Schulterzucken. Ein Blick zurück: Das bedeutet, anzuhalten und über die emotionale und gesellschaftliche Zerstörung ihrer einstmals so einmaligen Lebensgemeinschaft nachzudenken. Es muss weiter gehen, der Blick wird nach Vorne gerichtet. Nur weg vom Gestern hinein in die Zukunft - so kurz sie auch sein mag.
Beirut! O queen of the world
Beirut! O Queen of the world . . . Who sold your ruby-chiselled bracelets? Who took away your magic ring, And cut out your golden nails? Who killed the joy in your green eyes, Slashed your face with a knife, And threw burning acid on your lovely lips? Who poisoned the sea water And sprinkled hatred on your rosy beaches? Here we come . . . to apologize . . . to confess That we fired on you with a tribal spirit . . . And killed a woman . . . once called (Liberty) . . .
What can we say, Beirut . . . When the essence of human sorrow is in your eye And the ashes of civil war on your breast? What can we say, O, summer fan and damask rose? Beirut--Who ever thought we would meet As you lay in ruins? Who ever thought the eye one day would be at war with the lashes? What can we say, my pearl . . . My wheat flower . . . My pen My dream My poem? How could you become cruel When you were as delicate as a nymph? I cannot understand how the sparrow Turned into a wild night cat . . . I cannot understand, at all, O Beirut I cannot understand how you denied God And fell back into paganism . . .
Rise out of the blue wave, Ishtar! Rise up as a rose poem Rise up as a fiery poem There was nothing before you Nothing after you Nothing like you You, quintessence of all time You, field of pearls . . . Harbour of love . . . The peacock of water Rise up for love's sake For the poets The bread The poor Love is beckoning you . . . Queen of Queens . . . God wants you, most beautiful Queen You paid a high price for your beauty As all beauties do You paid a high price For all the words . . .
Nizar Kabbani
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Beirut - Koeniging der WeltBeirut trägt einen malerischen Beinamen: "Paris des Ostens". Seit kurzem wird die libanesische Hauptstadt in Reiseführen und Medien als "die" Partystadt an der Levante gepriesen. Dabei sind seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel nur vier Jahre vergangen, und Grenzgeplänkel mit den Nachbarn gibt es im Halbjahres-Takt. Zudem steht das kleine - theoretisch unabhängige - Land zwischen den Mächten: Der Libanon wird umworben nicht nur von Teheran und dessen Präsidenten Ahmadinedschad, sondern auch von Syrien, von Europa und den USA.
Beirut ist gespalten - und das ist auch der Rest des Landes. Regionen, Viertel und Häuser sind unterteilt in religiöse und politische Einflussräume. Die Grenzen sind meistens nicht zu erkennen und für einen Europäer erst recht kaum nachzuvollziehen. Gäbe es nicht die Rue Damaskus, wo zerbombte Häuser noch immer in den Himmel ragen, und gäbe es nicht die allgegenwärtigen Militärposten der Armee: Dann würde man angesichts des Baubooms und der schicken Autos auf Beiruts Straßen denken: Das muss ein Traum aus 1001 Nacht sein. Doch Beirut ist eben nicht Dubai: Auch wenn die meisten Offroader ein arabisches Kennzeichen haben und sich im wieder aufgebauten Zentrum Flagstores der internationalen Luxusmarken wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Der Osten ist immer noch vorwiegend christlich, der Westen und Süden muslimisch.
Die Menschen in Beirut sind Meister der Verdrängung und des Vergessens. Ein Erbe von 30 Jahren mit Kriegen und Besatzungen durch fremde Mächte - und nicht zuletzt dem Bürgerkrieg. Kaum ist die letzte Bombe gefallen, wird nach vorne geschaut, wird der Schutt zur Seite geschoben, wird neu gebaut. Wie in Dahiye, dem Machtzentrum der Hisbollah. 2006 verwandelten israelische Angriffe es weitgehend in eine Trümmerlandschaft - danach entstanden in Rekordzeit neue Wohnblocks. Im Stadtzentrum errichtet die Firma Solidere des ermordeten, ehemaligen Premier al-Hariri ein Disneyland für superreiche Araber. Authentisch und doch zugleich surreal werden alte Fassaden instand gesetzt, Neubauten aus dem Boden gestampft und einzig eine durchschossene Skulptur am Martyrs' Square hält einsam die Erinnerung an die Tage wach, in denen hier Kriegsgebiet war.
Die Bewohner Beiruts schreiten unaufhaltsam voran. Die Stadt ist teuer, das macht das Überleben nicht einfacher. Jeder wirkt beschäftigt, ist unterwegs auf der Suche nach einem Geschäftsabschluss, einem Job für den Tag oder einer Speisung für sich und die Familie durch Wohltätige. Besonders junge Männer gehen zum Arbeiten ins Ausland. Die Zurückbleibenden arrangieren sich. Sein Viertel verlassen muss niemand wirklich. Durch die religiöse Separation während des Bürgerkrieges sind die Stadtgebiete autark geworden, so dass ein Wechsel in ein anderes Quartier nicht notwendig ist. Nur die Corniche, die lange Küstenpromenade wird von allen gleich genutzt. Hier begegnen sich die 18 Konfessionen der Stadt. Zwar gibt es auch hier Grenzen: So gehört die Taubengrotte - ein Wahrzeichen Beiruts - eindeutig den Muslimen und die elitären Jacht- und Beachclubs gehören scheinbar den Christen. Unter den Palmen aber, deren Stämme teilweise noch Schusslöcher aufweisen, tummeln sich je nach Tageszeit Jogger, Fahrradfahrer, Touristen, fliegende Händler und Nachtschwärmer in friedlicher Eintracht.
Seit Jahrzehnten dominieren die gleichen Männer das gesellschaftliche und politische Geschehen. Sie heißen Bachir Gemayel, Samir Geagea, Amin Gemayel, Walid Dschumblat, Michel Aoun und Hassan Nasrallah. Ihre Konterfeis schmücken unzählige Hauswände, Mauern, Tore und Autos. Selbstverständlich streng getrennt nach Quartier. Wer gerade mit wem paktiert oder gerade wieder nicht: Das ist eines der großen Rätsel des politischen Tagesgeschäfts im Libanon. Die Menschen und die Medien haben eine Analyse weitgehend aufgegeben. Ob Optimist oder Zyniker, von beiden gibt es in Beirut genug - keinen verbindet noch etwas Positives mit der politischen Klasse des Landes. Zu oft wurden die Hoffnungen der Menschen im Ränkespiel der Macht veräußert. Das letzte Mal geschah das im Jahre 2008, als die Hisbollah das Zentrum von Beirut 18 Monate besetzte, um die Regierung aus dem Amt zu jagen. Seit Juni 2009 verhandelt der gewählte Premier Saad al-Hariri mit allen Parteien über ein Kabinett, ein Abschluss ist nicht in Sicht. Die Bewohner Beiruts kommentieren die politische Entwicklung oft nur noch mit einem Schulterzucken. Ein Blick zurück: Das bedeutet, anzuhalten und über die emotionale und gesellschaftliche Zerstörung ihrer einstmals so einmaligen Lebensgemeinschaft nachzudenken. Es muss weiter gehen, der Blick wird nach Vorne gerichtet. Nur weg vom Gestern hinein in die Zukunft - so kurz sie auch sein mag.
Beirut! O queen of the world
Beirut! O Queen of the world . . . Who sold your ruby-chiselled bracelets? Who took away your magic ring, And cut out your golden nails? Who killed the joy in your green eyes, Slashed your face with a knife, And threw burning acid on your lovely lips? Who poisoned the sea water And sprinkled hatred on your rosy beaches? Here we come . . . to apologize . . . to confess That we fired on you with a tribal spirit . . . And killed a woman . . . once called (Liberty) . . .
What can we say, Beirut . . . When the essence of human sorrow is in your eye And the ashes of civil war on your breast? What can we say, O, summer fan and damask rose? Beirut--Who ever thought we would meet As you lay in ruins? Who ever thought the eye one day would be at war with the lashes? What can we say, my pearl . . . My wheat flower . . . My pen My dream My poem? How could you become cruel When you were as delicate as a nymph? I cannot understand how the sparrow Turned into a wild night cat . . . I cannot understand, at all, O Beirut I cannot understand how you denied God And fell back into paganism . . .
Rise out of the blue wave, Ishtar! Rise up as a rose poem Rise up as a fiery poem There was nothing before you Nothing after you Nothing like you You, quintessence of all time You, field of pearls . . . Harbour of love . . . The peacock of water Rise up for love's sake For the poets The bread The poor Love is beckoning you . . . Queen of Queens . . . God wants you, most beautiful Queen You paid a high price for your beauty As all beauties do You paid a high price For all the words . . .
Nizar Kabbani
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Beirut - Koeniging der WeltBeirut trägt einen malerischen Beinamen: "Paris des Ostens". Seit kurzem wird die libanesische Hauptstadt in Reiseführen und Medien als "die" Partystadt an der Levante gepriesen. Dabei sind seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel nur vier Jahre vergangen, und Grenzgeplänkel mit den Nachbarn gibt es im Halbjahres-Takt. Zudem steht das kleine - theoretisch unabhängige - Land zwischen den Mächten: Der Libanon wird umworben nicht nur von Teheran und dessen Präsidenten Ahmadinedschad, sondern auch von Syrien, von Europa und den USA.
Beirut ist gespalten - und das ist auch der Rest des Landes. Regionen, Viertel und Häuser sind unterteilt in religiöse und politische Einflussräume. Die Grenzen sind meistens nicht zu erkennen und für einen Europäer erst recht kaum nachzuvollziehen. Gäbe es nicht die Rue Damaskus, wo zerbombte Häuser noch immer in den Himmel ragen, und gäbe es nicht die allgegenwärtigen Militärposten der Armee: Dann würde man angesichts des Baubooms und der schicken Autos auf Beiruts Straßen denken: Das muss ein Traum aus 1001 Nacht sein. Doch Beirut ist eben nicht Dubai: Auch wenn die meisten Offroader ein arabisches Kennzeichen haben und sich im wieder aufgebauten Zentrum Flagstores der internationalen Luxusmarken wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Der Osten ist immer noch vorwiegend christlich, der Westen und Süden muslimisch.
Die Menschen in Beirut sind Meister der Verdrängung und des Vergessens. Ein Erbe von 30 Jahren mit Kriegen und Besatzungen durch fremde Mächte - und nicht zuletzt dem Bürgerkrieg. Kaum ist die letzte Bombe gefallen, wird nach vorne geschaut, wird der Schutt zur Seite geschoben, wird neu gebaut. Wie in Dahiye, dem Machtzentrum der Hisbollah. 2006 verwandelten israelische Angriffe es weitgehend in eine Trümmerlandschaft - danach entstanden in Rekordzeit neue Wohnblocks. Im Stadtzentrum errichtet die Firma Solidere des ermordeten, ehemaligen Premier al-Hariri ein Disneyland für superreiche Araber. Authentisch und doch zugleich surreal werden alte Fassaden instand gesetzt, Neubauten aus dem Boden gestampft und einzig eine durchschossene Skulptur am Martyrs' Square hält einsam die Erinnerung an die Tage wach, in denen hier Kriegsgebiet war.
Die Bewohner Beiruts schreiten unaufhaltsam voran. Die Stadt ist teuer, das macht das Überleben nicht einfacher. Jeder wirkt beschäftigt, ist unterwegs auf der Suche nach einem Geschäftsabschluss, einem Job für den Tag oder einer Speisung für sich und die Familie durch Wohltätige. Besonders junge Männer gehen zum Arbeiten ins Ausland. Die Zurückbleibenden arrangieren sich. Sein Viertel verlassen muss niemand wirklich. Durch die religiöse Separation während des Bürgerkrieges sind die Stadtgebiete autark geworden, so dass ein Wechsel in ein anderes Quartier nicht notwendig ist. Nur die Corniche, die lange Küstenpromenade wird von allen gleich genutzt. Hier begegnen sich die 18 Konfessionen der Stadt. Zwar gibt es auch hier Grenzen: So gehört die Taubengrotte - ein Wahrzeichen Beiruts - eindeutig den Muslimen und die elitären Jacht- und Beachclubs gehören scheinbar den Christen. Unter den Palmen aber, deren Stämme teilweise noch Schusslöcher aufweisen, tummeln sich je nach Tageszeit Jogger, Fahrradfahrer, Touristen, fliegende Händler und Nachtschwärmer in friedlicher Eintracht.
Seit Jahrzehnten dominieren die gleichen Männer das gesellschaftliche und politische Geschehen. Sie heißen Bachir Gemayel, Samir Geagea, Amin Gemayel, Walid Dschumblat, Michel Aoun und Hassan Nasrallah. Ihre Konterfeis schmücken unzählige Hauswände, Mauern, Tore und Autos. Selbstverständlich streng getrennt nach Quartier. Wer gerade mit wem paktiert oder gerade wieder nicht: Das ist eines der großen Rätsel des politischen Tagesgeschäfts im Libanon. Die Menschen und die Medien haben eine Analyse weitgehend aufgegeben. Ob Optimist oder Zyniker, von beiden gibt es in Beirut genug - keinen verbindet noch etwas Positives mit der politischen Klasse des Landes. Zu oft wurden die Hoffnungen der Menschen im Ränkespiel der Macht veräußert. Das letzte Mal geschah das im Jahre 2008, als die Hisbollah das Zentrum von Beirut 18 Monate besetzte, um die Regierung aus dem Amt zu jagen. Seit Juni 2009 verhandelt der gewählte Premier Saad al-Hariri mit allen Parteien über ein Kabinett, ein Abschluss ist nicht in Sicht. Die Bewohner Beiruts kommentieren die politische Entwicklung oft nur noch mit einem Schulterzucken. Ein Blick zurück: Das bedeutet, anzuhalten und über die emotionale und gesellschaftliche Zerstörung ihrer einstmals so einmaligen Lebensgemeinschaft nachzudenken. Es muss weiter gehen, der Blick wird nach Vorne gerichtet. Nur weg vom Gestern hinein in die Zukunft - so kurz sie auch sein mag.
Beirut! O queen of the world
Beirut! O Queen of the world . . . Who sold your ruby-chiselled bracelets? Who took away your magic ring, And cut out your golden nails? Who killed the joy in your green eyes, Slashed your face with a knife, And threw burning acid on your lovely lips? Who poisoned the sea water And sprinkled hatred on your rosy beaches? Here we come . . . to apologize . . . to confess That we fired on you with a tribal spirit . . . And killed a woman . . . once called (Liberty) . . .
What can we say, Beirut . . . When the essence of human sorrow is in your eye And the ashes of civil war on your breast? What can we say, O, summer fan and damask rose? Beirut--Who ever thought we would meet As you lay in ruins? Who ever thought the eye one day would be at war with the lashes? What can we say, my pearl . . . My wheat flower . . . My pen My dream My poem? How could you become cruel When you were as delicate as a nymph? I cannot understand how the sparrow Turned into a wild night cat . . . I cannot understand, at all, O Beirut I cannot understand how you denied God And fell back into paganism . . .
Rise out of the blue wave, Ishtar! Rise up as a rose poem Rise up as a fiery poem There was nothing before you Nothing after you Nothing like you You, quintessence of all time You, field of pearls . . . Harbour of love . . . The peacock of water Rise up for love's sake For the poets The bread The poor Love is beckoning you . . . Queen of Queens . . . God wants you, most beautiful Queen You paid a high price for your beauty As all beauties do You paid a high price For all the words . . .
Nizar Kabbani
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Beirut - Koeniging der WeltBeirut trägt einen malerischen Beinamen: "Paris des Ostens". Seit kurzem wird die libanesische Hauptstadt in Reiseführen und Medien als "die" Partystadt an der Levante gepriesen. Dabei sind seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel nur vier Jahre vergangen, und Grenzgeplänkel mit den Nachbarn gibt es im Halbjahres-Takt. Zudem steht das kleine - theoretisch unabhängige - Land zwischen den Mächten: Der Libanon wird umworben nicht nur von Teheran und dessen Präsidenten Ahmadinedschad, sondern auch von Syrien, von Europa und den USA.
Beirut ist gespalten - und das ist auch der Rest des Landes. Regionen, Viertel und Häuser sind unterteilt in religiöse und politische Einflussräume. Die Grenzen sind meistens nicht zu erkennen und für einen Europäer erst recht kaum nachzuvollziehen. Gäbe es nicht die Rue Damaskus, wo zerbombte Häuser noch immer in den Himmel ragen, und gäbe es nicht die allgegenwärtigen Militärposten der Armee: Dann würde man angesichts des Baubooms und der schicken Autos auf Beiruts Straßen denken: Das muss ein Traum aus 1001 Nacht sein. Doch Beirut ist eben nicht Dubai: Auch wenn die meisten Offroader ein arabisches Kennzeichen haben und sich im wieder aufgebauten Zentrum Flagstores der internationalen Luxusmarken wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Der Osten ist immer noch vorwiegend christlich, der Westen und Süden muslimisch.
Die Menschen in Beirut sind Meister der Verdrängung und des Vergessens. Ein Erbe von 30 Jahren mit Kriegen und Besatzungen durch fremde Mächte - und nicht zuletzt dem Bürgerkrieg. Kaum ist die letzte Bombe gefallen, wird nach vorne geschaut, wird der Schutt zur Seite geschoben, wird neu gebaut. Wie in Dahiye, dem Machtzentrum der Hisbollah. 2006 verwandelten israelische Angriffe es weitgehend in eine Trümmerlandschaft - danach entstanden in Rekordzeit neue Wohnblocks. Im Stadtzentrum errichtet die Firma Solidere des ermordeten, ehemaligen Premier al-Hariri ein Disneyland für superreiche Araber. Authentisch und doch zugleich surreal werden alte Fassaden instand gesetzt, Neubauten aus dem Boden gestampft und einzig eine durchschossene Skulptur am Martyrs' Square hält einsam die Erinnerung an die Tage wach, in denen hier Kriegsgebiet war.
Die Bewohner Beiruts schreiten unaufhaltsam voran. Die Stadt ist teuer, das macht das Überleben nicht einfacher. Jeder wirkt beschäftigt, ist unterwegs auf der Suche nach einem Geschäftsabschluss, einem Job für den Tag oder einer Speisung für sich und die Familie durch Wohltätige. Besonders junge Männer gehen zum Arbeiten ins Ausland. Die Zurückbleibenden arrangieren sich. Sein Viertel verlassen muss niemand wirklich. Durch die religiöse Separation während des Bürgerkrieges sind die Stadtgebiete autark geworden, so dass ein Wechsel in ein anderes Quartier nicht notwendig ist. Nur die Corniche, die lange Küstenpromenade wird von allen gleich genutzt. Hier begegnen sich die 18 Konfessionen der Stadt. Zwar gibt es auch hier Grenzen: So gehört die Taubengrotte - ein Wahrzeichen Beiruts - eindeutig den Muslimen und die elitären Jacht- und Beachclubs gehören scheinbar den Christen. Unter den Palmen aber, deren Stämme teilweise noch Schusslöcher aufweisen, tummeln sich je nach Tageszeit Jogger, Fahrradfahrer, Touristen, fliegende Händler und Nachtschwärmer in friedlicher Eintracht.
Seit Jahrzehnten dominieren die gleichen Männer das gesellschaftliche und politische Geschehen. Sie heißen Bachir Gemayel, Samir Geagea, Amin Gemayel, Walid Dschumblat, Michel Aoun und Hassan Nasrallah. Ihre Konterfeis schmücken unzählige Hauswände, Mauern, Tore und Autos. Selbstverständlich streng getrennt nach Quartier. Wer gerade mit wem paktiert oder gerade wieder nicht: Das ist eines der großen Rätsel des politischen Tagesgeschäfts im Libanon. Die Menschen und die Medien haben eine Analyse weitgehend aufgegeben. Ob Optimist oder Zyniker, von beiden gibt es in Beirut genug - keinen verbindet noch etwas Positives mit der politischen Klasse des Landes. Zu oft wurden die Hoffnungen der Menschen im Ränkespiel der Macht veräußert. Das letzte Mal geschah das im Jahre 2008, als die Hisbollah das Zentrum von Beirut 18 Monate besetzte, um die Regierung aus dem Amt zu jagen. Seit Juni 2009 verhandelt der gewählte Premier Saad al-Hariri mit allen Parteien über ein Kabinett, ein Abschluss ist nicht in Sicht. Die Bewohner Beiruts kommentieren die politische Entwicklung oft nur noch mit einem Schulterzucken. Ein Blick zurück: Das bedeutet, anzuhalten und über die emotionale und gesellschaftliche Zerstörung ihrer einstmals so einmaligen Lebensgemeinschaft nachzudenken. Es muss weiter gehen, der Blick wird nach Vorne gerichtet. Nur weg vom Gestern hinein in die Zukunft - so kurz sie auch sein mag.
Beirut! O queen of the world
Beirut! O Queen of the world . . . Who sold your ruby-chiselled bracelets? Who took away your magic ring, And cut out your golden nails? Who killed the joy in your green eyes, Slashed your face with a knife, And threw burning acid on your lovely lips? Who poisoned the sea water And sprinkled hatred on your rosy beaches? Here we come . . . to apologize . . . to confess That we fired on you with a tribal spirit . . . And killed a woman . . . once called (Liberty) . . .
What can we say, Beirut . . . When the essence of human sorrow is in your eye And the ashes of civil war on your breast? What can we say, O, summer fan and damask rose? Beirut--Who ever thought we would meet As you lay in ruins? Who ever thought the eye one day would be at war with the lashes? What can we say, my pearl . . . My wheat flower . . . My pen My dream My poem? How could you become cruel When you were as delicate as a nymph? I cannot understand how the sparrow Turned into a wild night cat . . . I cannot understand, at all, O Beirut I cannot understand how you denied God And fell back into paganism . . .
Rise out of the blue wave, Ishtar! Rise up as a rose poem Rise up as a fiery poem There was nothing before you Nothing after you Nothing like you You, quintessence of all time You, field of pearls . . . Harbour of love . . . The peacock of water Rise up for love's sake For the poets The bread The poor Love is beckoning you . . . Queen of Queens . . . God wants you, most beautiful Queen You paid a high price for your beauty As all beauties do You paid a high price For all the words . . .
Nizar Kabbani
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Beirut - Koeniging der WeltBeirut trägt einen malerischen Beinamen: "Paris des Ostens". Seit kurzem wird die libanesische Hauptstadt in Reiseführen und Medien als "die" Partystadt an der Levante gepriesen. Dabei sind seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel nur vier Jahre vergangen, und Grenzgeplänkel mit den Nachbarn gibt es im Halbjahres-Takt. Zudem steht das kleine - theoretisch unabhängige - Land zwischen den Mächten: Der Libanon wird umworben nicht nur von Teheran und dessen Präsidenten Ahmadinedschad, sondern auch von Syrien, von Europa und den USA.
Beirut ist gespalten - und das ist auch der Rest des Landes. Regionen, Viertel und Häuser sind unterteilt in religiöse und politische Einflussräume. Die Grenzen sind meistens nicht zu erkennen und für einen Europäer erst recht kaum nachzuvollziehen. Gäbe es nicht die Rue Damaskus, wo zerbombte Häuser noch immer in den Himmel ragen, und gäbe es nicht die allgegenwärtigen Militärposten der Armee: Dann würde man angesichts des Baubooms und der schicken Autos auf Beiruts Straßen denken: Das muss ein Traum aus 1001 Nacht sein. Doch Beirut ist eben nicht Dubai: Auch wenn die meisten Offroader ein arabisches Kennzeichen haben und sich im wieder aufgebauten Zentrum Flagstores der internationalen Luxusmarken wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Der Osten ist immer noch vorwiegend christlich, der Westen und Süden muslimisch.
Die Menschen in Beirut sind Meister der Verdrängung und des Vergessens. Ein Erbe von 30 Jahren mit Kriegen und Besatzungen durch fremde Mächte - und nicht zuletzt dem Bürgerkrieg. Kaum ist die letzte Bombe gefallen, wird nach vorne geschaut, wird der Schutt zur Seite geschoben, wird neu gebaut. Wie in Dahiye, dem Machtzentrum der Hisbollah. 2006 verwandelten israelische Angriffe es weitgehend in eine Trümmerlandschaft - danach entstanden in Rekordzeit neue Wohnblocks. Im Stadtzentrum errichtet die Firma Solidere des ermordeten, ehemaligen Premier al-Hariri ein Disneyland für superreiche Araber. Authentisch und doch zugleich surreal werden alte Fassaden instand gesetzt, Neubauten aus dem Boden gestampft und einzig eine durchschossene Skulptur am Martyrs' Square hält einsam die Erinnerung an die Tage wach, in denen hier Kriegsgebiet war.
Die Bewohner Beiruts schreiten unaufhaltsam voran. Die Stadt ist teuer, das macht das Überleben nicht einfacher. Jeder wirkt beschäftigt, ist unterwegs auf der Suche nach einem Geschäftsabschluss, einem Job für den Tag oder einer Speisung für sich und die Familie durch Wohltätige. Besonders junge Männer gehen zum Arbeiten ins Ausland. Die Zurückbleibenden arrangieren sich. Sein Viertel verlassen muss niemand wirklich. Durch die religiöse Separation während des Bürgerkrieges sind die Stadtgebiete autark geworden, so dass ein Wechsel in ein anderes Quartier nicht notwendig ist. Nur die Corniche, die lange Küstenpromenade wird von allen gleich genutzt. Hier begegnen sich die 18 Konfessionen der Stadt. Zwar gibt es auch hier Grenzen: So gehört die Taubengrotte - ein Wahrzeichen Beiruts - eindeutig den Muslimen und die elitären Jacht- und Beachclubs gehören scheinbar den Christen. Unter den Palmen aber, deren Stämme teilweise noch Schusslöcher aufweisen, tummeln sich je nach Tageszeit Jogger, Fahrradfahrer, Touristen, fliegende Händler und Nachtschwärmer in friedlicher Eintracht.
Seit Jahrzehnten dominieren die gleichen Männer das gesellschaftliche und politische Geschehen. Sie heißen Bachir Gemayel, Samir Geagea, Amin Gemayel, Walid Dschumblat, Michel Aoun und Hassan Nasrallah. Ihre Konterfeis schmücken unzählige Hauswände, Mauern, Tore und Autos. Selbstverständlich streng getrennt nach Quartier. Wer gerade mit wem paktiert oder gerade wieder nicht: Das ist eines der großen Rätsel des politischen Tagesgeschäfts im Libanon. Die Menschen und die Medien haben eine Analyse weitgehend aufgegeben. Ob Optimist oder Zyniker, von beiden gibt es in Beirut genug - keinen verbindet noch etwas Positives mit der politischen Klasse des Landes. Zu oft wurden die Hoffnungen der Menschen im Ränkespiel der Macht veräußert. Das letzte Mal geschah das im Jahre 2008, als die Hisbollah das Zentrum von Beirut 18 Monate besetzte, um die Regierung aus dem Amt zu jagen. Seit Juni 2009 verhandelt der gewählte Premier Saad al-Hariri mit allen Parteien über ein Kabinett, ein Abschluss ist nicht in Sicht. Die Bewohner Beiruts kommentieren die politische Entwicklung oft nur noch mit einem Schulterzucken. Ein Blick zurück: Das bedeutet, anzuhalten und über die emotionale und gesellschaftliche Zerstörung ihrer einstmals so einmaligen Lebensgemeinschaft nachzudenken. Es muss weiter gehen, der Blick wird nach Vorne gerichtet. Nur weg vom Gestern hinein in die Zukunft - so kurz sie auch sein mag.
Beirut! O queen of the world
Beirut! O Queen of the world . . . Who sold your ruby-chiselled bracelets? Who took away your magic ring, And cut out your golden nails? Who killed the joy in your green eyes, Slashed your face with a knife, And threw burning acid on your lovely lips? Who poisoned the sea water And sprinkled hatred on your rosy beaches? Here we come . . . to apologize . . . to confess That we fired on you with a tribal spirit . . . And killed a woman . . . once called (Liberty) . . .
What can we say, Beirut . . . When the essence of human sorrow is in your eye And the ashes of civil war on your breast? What can we say, O, summer fan and damask rose? Beirut--Who ever thought we would meet As you lay in ruins? Who ever thought the eye one day would be at war with the lashes? What can we say, my pearl . . . My wheat flower . . . My pen My dream My poem? How could you become cruel When you were as delicate as a nymph? I cannot understand how the sparrow Turned into a wild night cat . . . I cannot understand, at all, O Beirut I cannot understand how you denied God And fell back into paganism . . .
Rise out of the blue wave, Ishtar! Rise up as a rose poem Rise up as a fiery poem There was nothing before you Nothing after you Nothing like you You, quintessence of all time You, field of pearls . . . Harbour of love . . . The peacock of water Rise up for love's sake For the poets The bread The poor Love is beckoning you . . . Queen of Queens . . . God wants you, most beautiful Queen You paid a high price for your beauty As all beauties do You paid a high price For all the words . . .
Nizar Kabbani
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Beirut - Koeniging der WeltBeirut trägt einen malerischen Beinamen: "Paris des Ostens". Seit kurzem wird die libanesische Hauptstadt in Reiseführen und Medien als "die" Partystadt an der Levante gepriesen. Dabei sind seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel nur vier Jahre vergangen, und Grenzgeplänkel mit den Nachbarn gibt es im Halbjahres-Takt. Zudem steht das kleine - theoretisch unabhängige - Land zwischen den Mächten: Der Libanon wird umworben nicht nur von Teheran und dessen Präsidenten Ahmadinedschad, sondern auch von Syrien, von Europa und den USA.
Beirut ist gespalten - und das ist auch der Rest des Landes. Regionen, Viertel und Häuser sind unterteilt in religiöse und politische Einflussräume. Die Grenzen sind meistens nicht zu erkennen und für einen Europäer erst recht kaum nachzuvollziehen. Gäbe es nicht die Rue Damaskus, wo zerbombte Häuser noch immer in den Himmel ragen, und gäbe es nicht die allgegenwärtigen Militärposten der Armee: Dann würde man angesichts des Baubooms und der schicken Autos auf Beiruts Straßen denken: Das muss ein Traum aus 1001 Nacht sein. Doch Beirut ist eben nicht Dubai: Auch wenn die meisten Offroader ein arabisches Kennzeichen haben und sich im wieder aufgebauten Zentrum Flagstores der internationalen Luxusmarken wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Der Osten ist immer noch vorwiegend christlich, der Westen und Süden muslimisch.
Die Menschen in Beirut sind Meister der Verdrängung und des Vergessens. Ein Erbe von 30 Jahren mit Kriegen und Besatzungen durch fremde Mächte - und nicht zuletzt dem Bürgerkrieg. Kaum ist die letzte Bombe gefallen, wird nach vorne geschaut, wird der Schutt zur Seite geschoben, wird neu gebaut. Wie in Dahiye, dem Machtzentrum der Hisbollah. 2006 verwandelten israelische Angriffe es weitgehend in eine Trümmerlandschaft - danach entstanden in Rekordzeit neue Wohnblocks. Im Stadtzentrum errichtet die Firma Solidere des ermordeten, ehemaligen Premier al-Hariri ein Disneyland für superreiche Araber. Authentisch und doch zugleich surreal werden alte Fassaden instand gesetzt, Neubauten aus dem Boden gestampft und einzig eine durchschossene Skulptur am Martyrs' Square hält einsam die Erinnerung an die Tage wach, in denen hier Kriegsgebiet war.
Die Bewohner Beiruts schreiten unaufhaltsam voran. Die Stadt ist teuer, das macht das Überleben nicht einfacher. Jeder wirkt beschäftigt, ist unterwegs auf der Suche nach einem Geschäftsabschluss, einem Job für den Tag oder einer Speisung für sich und die Familie durch Wohltätige. Besonders junge Männer gehen zum Arbeiten ins Ausland. Die Zurückbleibenden arrangieren sich. Sein Viertel verlassen muss niemand wirklich. Durch die religiöse Separation während des Bürgerkrieges sind die Stadtgebiete autark geworden, so dass ein Wechsel in ein anderes Quartier nicht notwendig ist. Nur die Corniche, die lange Küstenpromenade wird von allen gleich genutzt. Hier begegnen sich die 18 Konfessionen der Stadt. Zwar gibt es auch hier Grenzen: So gehört die Taubengrotte - ein Wahrzeichen Beiruts - eindeutig den Muslimen und die elitären Jacht- und Beachclubs gehören scheinbar den Christen. Unter den Palmen aber, deren Stämme teilweise noch Schusslöcher aufweisen, tummeln sich je nach Tageszeit Jogger, Fahrradfahrer, Touristen, fliegende Händler und Nachtschwärmer in friedlicher Eintracht.
Seit Jahrzehnten dominieren die gleichen Männer das gesellschaftliche und politische Geschehen. Sie heißen Bachir Gemayel, Samir Geagea, Amin Gemayel, Walid Dschumblat, Michel Aoun und Hassan Nasrallah. Ihre Konterfeis schmücken unzählige Hauswände, Mauern, Tore und Autos. Selbstverständlich streng getrennt nach Quartier. Wer gerade mit wem paktiert oder gerade wieder nicht: Das ist eines der großen Rätsel des politischen Tagesgeschäfts im Libanon. Die Menschen und die Medien haben eine Analyse weitgehend aufgegeben. Ob Optimist oder Zyniker, von beiden gibt es in Beirut genug - keinen verbindet noch etwas Positives mit der politischen Klasse des Landes. Zu oft wurden die Hoffnungen der Menschen im Ränkespiel der Macht veräußert. Das letzte Mal geschah das im Jahre 2008, als die Hisbollah das Zentrum von Beirut 18 Monate besetzte, um die Regierung aus dem Amt zu jagen. Seit Juni 2009 verhandelt der gewählte Premier Saad al-Hariri mit allen Parteien über ein Kabinett, ein Abschluss ist nicht in Sicht. Die Bewohner Beiruts kommentieren die politische Entwicklung oft nur noch mit einem Schulterzucken. Ein Blick zurück: Das bedeutet, anzuhalten und über die emotionale und gesellschaftliche Zerstörung ihrer einstmals so einmaligen Lebensgemeinschaft nachzudenken. Es muss weiter gehen, der Blick wird nach Vorne gerichtet. Nur weg vom Gestern hinein in die Zukunft - so kurz sie auch sein mag.
Beirut! O queen of the world
Beirut! O Queen of the world . . . Who sold your ruby-chiselled bracelets? Who took away your magic ring, And cut out your golden nails? Who killed the joy in your green eyes, Slashed your face with a knife, And threw burning acid on your lovely lips? Who poisoned the sea water And sprinkled hatred on your rosy beaches? Here we come . . . to apologize . . . to confess That we fired on you with a tribal spirit . . . And killed a woman . . . once called (Liberty) . . .
What can we say, Beirut . . . When the essence of human sorrow is in your eye And the ashes of civil war on your breast? What can we say, O, summer fan and damask rose? Beirut--Who ever thought we would meet As you lay in ruins? Who ever thought the eye one day would be at war with the lashes? What can we say, my pearl . . . My wheat flower . . . My pen My dream My poem? How could you become cruel When you were as delicate as a nymph? I cannot understand how the sparrow Turned into a wild night cat . . . I cannot understand, at all, O Beirut I cannot understand how you denied God And fell back into paganism . . .
Rise out of the blue wave, Ishtar! Rise up as a rose poem Rise up as a fiery poem There was nothing before you Nothing after you Nothing like you You, quintessence of all time You, field of pearls . . . Harbour of love . . . The peacock of water Rise up for love's sake For the poets The bread The poor Love is beckoning you . . . Queen of Queens . . . God wants you, most beautiful Queen You paid a high price for your beauty As all beauties do You paid a high price For all the words . . .
Nizar Kabbani
-
Beirut - Koeniging der WeltBeirut trägt einen malerischen Beinamen: "Paris des Ostens". Seit kurzem wird die libanesische Hauptstadt in Reiseführen und Medien als "die" Partystadt an der Levante gepriesen. Dabei sind seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel nur vier Jahre vergangen, und Grenzgeplänkel mit den Nachbarn gibt es im Halbjahres-Takt. Zudem steht das kleine - theoretisch unabhängige - Land zwischen den Mächten: Der Libanon wird umworben nicht nur von Teheran und dessen Präsidenten Ahmadinedschad, sondern auch von Syrien, von Europa und den USA.
Beirut ist gespalten - und das ist auch der Rest des Landes. Regionen, Viertel und Häuser sind unterteilt in religiöse und politische Einflussräume. Die Grenzen sind meistens nicht zu erkennen und für einen Europäer erst recht kaum nachzuvollziehen. Gäbe es nicht die Rue Damaskus, wo zerbombte Häuser noch immer in den Himmel ragen, und gäbe es nicht die allgegenwärtigen Militärposten der Armee: Dann würde man angesichts des Baubooms und der schicken Autos auf Beiruts Straßen denken: Das muss ein Traum aus 1001 Nacht sein. Doch Beirut ist eben nicht Dubai: Auch wenn die meisten Offroader ein arabisches Kennzeichen haben und sich im wieder aufgebauten Zentrum Flagstores der internationalen Luxusmarken wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Der Osten ist immer noch vorwiegend christlich, der Westen und Süden muslimisch.
Die Menschen in Beirut sind Meister der Verdrängung und des Vergessens. Ein Erbe von 30 Jahren mit Kriegen und Besatzungen durch fremde Mächte - und nicht zuletzt dem Bürgerkrieg. Kaum ist die letzte Bombe gefallen, wird nach vorne geschaut, wird der Schutt zur Seite geschoben, wird neu gebaut. Wie in Dahiye, dem Machtzentrum der Hisbollah. 2006 verwandelten israelische Angriffe es weitgehend in eine Trümmerlandschaft - danach entstanden in Rekordzeit neue Wohnblocks. Im Stadtzentrum errichtet die Firma Solidere des ermordeten, ehemaligen Premier al-Hariri ein Disneyland für superreiche Araber. Authentisch und doch zugleich surreal werden alte Fassaden instand gesetzt, Neubauten aus dem Boden gestampft und einzig eine durchschossene Skulptur am Martyrs' Square hält einsam die Erinnerung an die Tage wach, in denen hier Kriegsgebiet war.
Die Bewohner Beiruts schreiten unaufhaltsam voran. Die Stadt ist teuer, das macht das Überleben nicht einfacher. Jeder wirkt beschäftigt, ist unterwegs auf der Suche nach einem Geschäftsabschluss, einem Job für den Tag oder einer Speisung für sich und die Familie durch Wohltätige. Besonders junge Männer gehen zum Arbeiten ins Ausland. Die Zurückbleibenden arrangieren sich. Sein Viertel verlassen muss niemand wirklich. Durch die religiöse Separation während des Bürgerkrieges sind die Stadtgebiete autark geworden, so dass ein Wechsel in ein anderes Quartier nicht notwendig ist. Nur die Corniche, die lange Küstenpromenade wird von allen gleich genutzt. Hier begegnen sich die 18 Konfessionen der Stadt. Zwar gibt es auch hier Grenzen: So gehört die Taubengrotte - ein Wahrzeichen Beiruts - eindeutig den Muslimen und die elitären Jacht- und Beachclubs gehören scheinbar den Christen. Unter den Palmen aber, deren Stämme teilweise noch Schusslöcher aufweisen, tummeln sich je nach Tageszeit Jogger, Fahrradfahrer, Touristen, fliegende Händler und Nachtschwärmer in friedlicher Eintracht.
Seit Jahrzehnten dominieren die gleichen Männer das gesellschaftliche und politische Geschehen. Sie heißen Bachir Gemayel, Samir Geagea, Amin Gemayel, Walid Dschumblat, Michel Aoun und Hassan Nasrallah. Ihre Konterfeis schmücken unzählige Hauswände, Mauern, Tore und Autos. Selbstverständlich streng getrennt nach Quartier. Wer gerade mit wem paktiert oder gerade wieder nicht: Das ist eines der großen Rätsel des politischen Tagesgeschäfts im Libanon. Die Menschen und die Medien haben eine Analyse weitgehend aufgegeben. Ob Optimist oder Zyniker, von beiden gibt es in Beirut genug - keinen verbindet noch etwas Positives mit der politischen Klasse des Landes. Zu oft wurden die Hoffnungen der Menschen im Ränkespiel der Macht veräußert. Das letzte Mal geschah das im Jahre 2008, als die Hisbollah das Zentrum von Beirut 18 Monate besetzte, um die Regierung aus dem Amt zu jagen. Seit Juni 2009 verhandelt der gewählte Premier Saad al-Hariri mit allen Parteien über ein Kabinett, ein Abschluss ist nicht in Sicht. Die Bewohner Beiruts kommentieren die politische Entwicklung oft nur noch mit einem Schulterzucken. Ein Blick zurück: Das bedeutet, anzuhalten und über die emotionale und gesellschaftliche Zerstörung ihrer einstmals so einmaligen Lebensgemeinschaft nachzudenken. Es muss weiter gehen, der Blick wird nach Vorne gerichtet. Nur weg vom Gestern hinein in die Zukunft - so kurz sie auch sein mag.
Beirut! O queen of the world
Beirut! O Queen of the world . . . Who sold your ruby-chiselled bracelets? Who took away your magic ring, And cut out your golden nails? Who killed the joy in your green eyes, Slashed your face with a knife, And threw burning acid on your lovely lips? Who poisoned the sea water And sprinkled hatred on your rosy beaches? Here we come . . . to apologize . . . to confess That we fired on you with a tribal spirit . . . And killed a woman . . . once called (Liberty) . . .
What can we say, Beirut . . . When the essence of human sorrow is in your eye And the ashes of civil war on your breast? What can we say, O, summer fan and damask rose? Beirut--Who ever thought we would meet As you lay in ruins? Who ever thought the eye one day would be at war with the lashes? What can we say, my pearl . . . My wheat flower . . . My pen My dream My poem? How could you become cruel When you were as delicate as a nymph? I cannot understand how the sparrow Turned into a wild night cat . . . I cannot understand, at all, O Beirut I cannot understand how you denied God And fell back into paganism . . .
Rise out of the blue wave, Ishtar! Rise up as a rose poem Rise up as a fiery poem There was nothing before you Nothing after you Nothing like you You, quintessence of all time You, field of pearls . . . Harbour of love . . . The peacock of water Rise up for love's sake For the poets The bread The poor Love is beckoning you . . . Queen of Queens . . . God wants you, most beautiful Queen You paid a high price for your beauty As all beauties do You paid a high price For all the words . . .
Nizar Kabbani
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Beirut - Koeniging der WeltBeirut trägt einen malerischen Beinamen: "Paris des Ostens". Seit kurzem wird die libanesische Hauptstadt in Reiseführen und Medien als "die" Partystadt an der Levante gepriesen. Dabei sind seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel nur vier Jahre vergangen, und Grenzgeplänkel mit den Nachbarn gibt es im Halbjahres-Takt. Zudem steht das kleine - theoretisch unabhängige - Land zwischen den Mächten: Der Libanon wird umworben nicht nur von Teheran und dessen Präsidenten Ahmadinedschad, sondern auch von Syrien, von Europa und den USA.
Beirut ist gespalten - und das ist auch der Rest des Landes. Regionen, Viertel und Häuser sind unterteilt in religiöse und politische Einflussräume. Die Grenzen sind meistens nicht zu erkennen und für einen Europäer erst recht kaum nachzuvollziehen. Gäbe es nicht die Rue Damaskus, wo zerbombte Häuser noch immer in den Himmel ragen, und gäbe es nicht die allgegenwärtigen Militärposten der Armee: Dann würde man angesichts des Baubooms und der schicken Autos auf Beiruts Straßen denken: Das muss ein Traum aus 1001 Nacht sein. Doch Beirut ist eben nicht Dubai: Auch wenn die meisten Offroader ein arabisches Kennzeichen haben und sich im wieder aufgebauten Zentrum Flagstores der internationalen Luxusmarken wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Der Osten ist immer noch vorwiegend christlich, der Westen und Süden muslimisch.
Die Menschen in Beirut sind Meister der Verdrängung und des Vergessens. Ein Erbe von 30 Jahren mit Kriegen und Besatzungen durch fremde Mächte - und nicht zuletzt dem Bürgerkrieg. Kaum ist die letzte Bombe gefallen, wird nach vorne geschaut, wird der Schutt zur Seite geschoben, wird neu gebaut. Wie in Dahiye, dem Machtzentrum der Hisbollah. 2006 verwandelten israelische Angriffe es weitgehend in eine Trümmerlandschaft - danach entstanden in Rekordzeit neue Wohnblocks. Im Stadtzentrum errichtet die Firma Solidere des ermordeten, ehemaligen Premier al-Hariri ein Disneyland für superreiche Araber. Authentisch und doch zugleich surreal werden alte Fassaden instand gesetzt, Neubauten aus dem Boden gestampft und einzig eine durchschossene Skulptur am Martyrs' Square hält einsam die Erinnerung an die Tage wach, in denen hier Kriegsgebiet war.
Die Bewohner Beiruts schreiten unaufhaltsam voran. Die Stadt ist teuer, das macht das Überleben nicht einfacher. Jeder wirkt beschäftigt, ist unterwegs auf der Suche nach einem Geschäftsabschluss, einem Job für den Tag oder einer Speisung für sich und die Familie durch Wohltätige. Besonders junge Männer gehen zum Arbeiten ins Ausland. Die Zurückbleibenden arrangieren sich. Sein Viertel verlassen muss niemand wirklich. Durch die religiöse Separation während des Bürgerkrieges sind die Stadtgebiete autark geworden, so dass ein Wechsel in ein anderes Quartier nicht notwendig ist. Nur die Corniche, die lange Küstenpromenade wird von allen gleich genutzt. Hier begegnen sich die 18 Konfessionen der Stadt. Zwar gibt es auch hier Grenzen: So gehört die Taubengrotte - ein Wahrzeichen Beiruts - eindeutig den Muslimen und die elitären Jacht- und Beachclubs gehören scheinbar den Christen. Unter den Palmen aber, deren Stämme teilweise noch Schusslöcher aufweisen, tummeln sich je nach Tageszeit Jogger, Fahrradfahrer, Touristen, fliegende Händler und Nachtschwärmer in friedlicher Eintracht.
Seit Jahrzehnten dominieren die gleichen Männer das gesellschaftliche und politische Geschehen. Sie heißen Bachir Gemayel, Samir Geagea, Amin Gemayel, Walid Dschumblat, Michel Aoun und Hassan Nasrallah. Ihre Konterfeis schmücken unzählige Hauswände, Mauern, Tore und Autos. Selbstverständlich streng getrennt nach Quartier. Wer gerade mit wem paktiert oder gerade wieder nicht: Das ist eines der großen Rätsel des politischen Tagesgeschäfts im Libanon. Die Menschen und die Medien haben eine Analyse weitgehend aufgegeben. Ob Optimist oder Zyniker, von beiden gibt es in Beirut genug - keinen verbindet noch etwas Positives mit der politischen Klasse des Landes. Zu oft wurden die Hoffnungen der Menschen im Ränkespiel der Macht veräußert. Das letzte Mal geschah das im Jahre 2008, als die Hisbollah das Zentrum von Beirut 18 Monate besetzte, um die Regierung aus dem Amt zu jagen. Seit Juni 2009 verhandelt der gewählte Premier Saad al-Hariri mit allen Parteien über ein Kabinett, ein Abschluss ist nicht in Sicht. Die Bewohner Beiruts kommentieren die politische Entwicklung oft nur noch mit einem Schulterzucken. Ein Blick zurück: Das bedeutet, anzuhalten und über die emotionale und gesellschaftliche Zerstörung ihrer einstmals so einmaligen Lebensgemeinschaft nachzudenken. Es muss weiter gehen, der Blick wird nach Vorne gerichtet. Nur weg vom Gestern hinein in die Zukunft - so kurz sie auch sein mag.
Beirut! O queen of the world
Beirut! O Queen of the world . . . Who sold your ruby-chiselled bracelets? Who took away your magic ring, And cut out your golden nails? Who killed the joy in your green eyes, Slashed your face with a knife, And threw burning acid on your lovely lips? Who poisoned the sea water And sprinkled hatred on your rosy beaches? Here we come . . . to apologize . . . to confess That we fired on you with a tribal spirit . . . And killed a woman . . . once called (Liberty) . . .
What can we say, Beirut . . . When the essence of human sorrow is in your eye And the ashes of civil war on your breast? What can we say, O, summer fan and damask rose? Beirut--Who ever thought we would meet As you lay in ruins? Who ever thought the eye one day would be at war with the lashes? What can we say, my pearl . . . My wheat flower . . . My pen My dream My poem? How could you become cruel When you were as delicate as a nymph? I cannot understand how the sparrow Turned into a wild night cat . . . I cannot understand, at all, O Beirut I cannot understand how you denied God And fell back into paganism . . .
Rise out of the blue wave, Ishtar! Rise up as a rose poem Rise up as a fiery poem There was nothing before you Nothing after you Nothing like you You, quintessence of all time You, field of pearls . . . Harbour of love . . . The peacock of water Rise up for love's sake For the poets The bread The poor Love is beckoning you . . . Queen of Queens . . . God wants you, most beautiful Queen You paid a high price for your beauty As all beauties do You paid a high price For all the words . . .
Nizar Kabbani
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Beirut - Koeniging der WeltBeirut trägt einen malerischen Beinamen: "Paris des Ostens". Seit kurzem wird die libanesische Hauptstadt in Reiseführen und Medien als "die" Partystadt an der Levante gepriesen. Dabei sind seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel nur vier Jahre vergangen, und Grenzgeplänkel mit den Nachbarn gibt es im Halbjahres-Takt. Zudem steht das kleine - theoretisch unabhängige - Land zwischen den Mächten: Der Libanon wird umworben nicht nur von Teheran und dessen Präsidenten Ahmadinedschad, sondern auch von Syrien, von Europa und den USA.
Beirut ist gespalten - und das ist auch der Rest des Landes. Regionen, Viertel und Häuser sind unterteilt in religiöse und politische Einflussräume. Die Grenzen sind meistens nicht zu erkennen und für einen Europäer erst recht kaum nachzuvollziehen. Gäbe es nicht die Rue Damaskus, wo zerbombte Häuser noch immer in den Himmel ragen, und gäbe es nicht die allgegenwärtigen Militärposten der Armee: Dann würde man angesichts des Baubooms und der schicken Autos auf Beiruts Straßen denken: Das muss ein Traum aus 1001 Nacht sein. Doch Beirut ist eben nicht Dubai: Auch wenn die meisten Offroader ein arabisches Kennzeichen haben und sich im wieder aufgebauten Zentrum Flagstores der internationalen Luxusmarken wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Der Osten ist immer noch vorwiegend christlich, der Westen und Süden muslimisch.
Die Menschen in Beirut sind Meister der Verdrängung und des Vergessens. Ein Erbe von 30 Jahren mit Kriegen und Besatzungen durch fremde Mächte - und nicht zuletzt dem Bürgerkrieg. Kaum ist die letzte Bombe gefallen, wird nach vorne geschaut, wird der Schutt zur Seite geschoben, wird neu gebaut. Wie in Dahiye, dem Machtzentrum der Hisbollah. 2006 verwandelten israelische Angriffe es weitgehend in eine Trümmerlandschaft - danach entstanden in Rekordzeit neue Wohnblocks. Im Stadtzentrum errichtet die Firma Solidere des ermordeten, ehemaligen Premier al-Hariri ein Disneyland für superreiche Araber. Authentisch und doch zugleich surreal werden alte Fassaden instand gesetzt, Neubauten aus dem Boden gestampft und einzig eine durchschossene Skulptur am Martyrs' Square hält einsam die Erinnerung an die Tage wach, in denen hier Kriegsgebiet war.
Die Bewohner Beiruts schreiten unaufhaltsam voran. Die Stadt ist teuer, das macht das Überleben nicht einfacher. Jeder wirkt beschäftigt, ist unterwegs auf der Suche nach einem Geschäftsabschluss, einem Job für den Tag oder einer Speisung für sich und die Familie durch Wohltätige. Besonders junge Männer gehen zum Arbeiten ins Ausland. Die Zurückbleibenden arrangieren sich. Sein Viertel verlassen muss niemand wirklich. Durch die religiöse Separation während des Bürgerkrieges sind die Stadtgebiete autark geworden, so dass ein Wechsel in ein anderes Quartier nicht notwendig ist. Nur die Corniche, die lange Küstenpromenade wird von allen gleich genutzt. Hier begegnen sich die 18 Konfessionen der Stadt. Zwar gibt es auch hier Grenzen: So gehört die Taubengrotte - ein Wahrzeichen Beiruts - eindeutig den Muslimen und die elitären Jacht- und Beachclubs gehören scheinbar den Christen. Unter den Palmen aber, deren Stämme teilweise noch Schusslöcher aufweisen, tummeln sich je nach Tageszeit Jogger, Fahrradfahrer, Touristen, fliegende Händler und Nachtschwärmer in friedlicher Eintracht.
Seit Jahrzehnten dominieren die gleichen Männer das gesellschaftliche und politische Geschehen. Sie heißen Bachir Gemayel, Samir Geagea, Amin Gemayel, Walid Dschumblat, Michel Aoun und Hassan Nasrallah. Ihre Konterfeis schmücken unzählige Hauswände, Mauern, Tore und Autos. Selbstverständlich streng getrennt nach Quartier. Wer gerade mit wem paktiert oder gerade wieder nicht: Das ist eines der großen Rätsel des politischen Tagesgeschäfts im Libanon. Die Menschen und die Medien haben eine Analyse weitgehend aufgegeben. Ob Optimist oder Zyniker, von beiden gibt es in Beirut genug - keinen verbindet noch etwas Positives mit der politischen Klasse des Landes. Zu oft wurden die Hoffnungen der Menschen im Ränkespiel der Macht veräußert. Das letzte Mal geschah das im Jahre 2008, als die Hisbollah das Zentrum von Beirut 18 Monate besetzte, um die Regierung aus dem Amt zu jagen. Seit Juni 2009 verhandelt der gewählte Premier Saad al-Hariri mit allen Parteien über ein Kabinett, ein Abschluss ist nicht in Sicht. Die Bewohner Beiruts kommentieren die politische Entwicklung oft nur noch mit einem Schulterzucken. Ein Blick zurück: Das bedeutet, anzuhalten und über die emotionale und gesellschaftliche Zerstörung ihrer einstmals so einmaligen Lebensgemeinschaft nachzudenken. Es muss weiter gehen, der Blick wird nach Vorne gerichtet. Nur weg vom Gestern hinein in die Zukunft - so kurz sie auch sein mag.
Beirut! O queen of the world
Beirut! O Queen of the world . . . Who sold your ruby-chiselled bracelets? Who took away your magic ring, And cut out your golden nails? Who killed the joy in your green eyes, Slashed your face with a knife, And threw burning acid on your lovely lips? Who poisoned the sea water And sprinkled hatred on your rosy beaches? Here we come . . . to apologize . . . to confess That we fired on you with a tribal spirit . . . And killed a woman . . . once called (Liberty) . . .
What can we say, Beirut . . . When the essence of human sorrow is in your eye And the ashes of civil war on your breast? What can we say, O, summer fan and damask rose? Beirut--Who ever thought we would meet As you lay in ruins? Who ever thought the eye one day would be at war with the lashes? What can we say, my pearl . . . My wheat flower . . . My pen My dream My poem? How could you become cruel When you were as delicate as a nymph? I cannot understand how the sparrow Turned into a wild night cat . . . I cannot understand, at all, O Beirut I cannot understand how you denied God And fell back into paganism . . .
Rise out of the blue wave, Ishtar! Rise up as a rose poem Rise up as a fiery poem There was nothing before you Nothing after you Nothing like you You, quintessence of all time You, field of pearls . . . Harbour of love . . . The peacock of water Rise up for love's sake For the poets The bread The poor Love is beckoning you . . . Queen of Queens . . . God wants you, most beautiful Queen You paid a high price for your beauty As all beauties do You paid a high price For all the words . . .
Nizar Kabbani
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Beirut - Koeniging der WeltBeirut trägt einen malerischen Beinamen: "Paris des Ostens". Seit kurzem wird die libanesische Hauptstadt in Reiseführen und Medien als "die" Partystadt an der Levante gepriesen. Dabei sind seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel nur vier Jahre vergangen, und Grenzgeplänkel mit den Nachbarn gibt es im Halbjahres-Takt. Zudem steht das kleine - theoretisch unabhängige - Land zwischen den Mächten: Der Libanon wird umworben nicht nur von Teheran und dessen Präsidenten Ahmadinedschad, sondern auch von Syrien, von Europa und den USA.
Beirut ist gespalten - und das ist auch der Rest des Landes. Regionen, Viertel und Häuser sind unterteilt in religiöse und politische Einflussräume. Die Grenzen sind meistens nicht zu erkennen und für einen Europäer erst recht kaum nachzuvollziehen. Gäbe es nicht die Rue Damaskus, wo zerbombte Häuser noch immer in den Himmel ragen, und gäbe es nicht die allgegenwärtigen Militärposten der Armee: Dann würde man angesichts des Baubooms und der schicken Autos auf Beiruts Straßen denken: Das muss ein Traum aus 1001 Nacht sein. Doch Beirut ist eben nicht Dubai: Auch wenn die meisten Offroader ein arabisches Kennzeichen haben und sich im wieder aufgebauten Zentrum Flagstores der internationalen Luxusmarken wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Der Osten ist immer noch vorwiegend christlich, der Westen und Süden muslimisch.
Die Menschen in Beirut sind Meister der Verdrängung und des Vergessens. Ein Erbe von 30 Jahren mit Kriegen und Besatzungen durch fremde Mächte - und nicht zuletzt dem Bürgerkrieg. Kaum ist die letzte Bombe gefallen, wird nach vorne geschaut, wird der Schutt zur Seite geschoben, wird neu gebaut. Wie in Dahiye, dem Machtzentrum der Hisbollah. 2006 verwandelten israelische Angriffe es weitgehend in eine Trümmerlandschaft - danach entstanden in Rekordzeit neue Wohnblocks. Im Stadtzentrum errichtet die Firma Solidere des ermordeten, ehemaligen Premier al-Hariri ein Disneyland für superreiche Araber. Authentisch und doch zugleich surreal werden alte Fassaden instand gesetzt, Neubauten aus dem Boden gestampft und einzig eine durchschossene Skulptur am Martyrs' Square hält einsam die Erinnerung an die Tage wach, in denen hier Kriegsgebiet war.
Die Bewohner Beiruts schreiten unaufhaltsam voran. Die Stadt ist teuer, das macht das Überleben nicht einfacher. Jeder wirkt beschäftigt, ist unterwegs auf der Suche nach einem Geschäftsabschluss, einem Job für den Tag oder einer Speisung für sich und die Familie durch Wohltätige. Besonders junge Männer gehen zum Arbeiten ins Ausland. Die Zurückbleibenden arrangieren sich. Sein Viertel verlassen muss niemand wirklich. Durch die religiöse Separation während des Bürgerkrieges sind die Stadtgebiete autark geworden, so dass ein Wechsel in ein anderes Quartier nicht notwendig ist. Nur die Corniche, die lange Küstenpromenade wird von allen gleich genutzt. Hier begegnen sich die 18 Konfessionen der Stadt. Zwar gibt es auch hier Grenzen: So gehört die Taubengrotte - ein Wahrzeichen Beiruts - eindeutig den Muslimen und die elitären Jacht- und Beachclubs gehören scheinbar den Christen. Unter den Palmen aber, deren Stämme teilweise noch Schusslöcher aufweisen, tummeln sich je nach Tageszeit Jogger, Fahrradfahrer, Touristen, fliegende Händler und Nachtschwärmer in friedlicher Eintracht.
Seit Jahrzehnten dominieren die gleichen Männer das gesellschaftliche und politische Geschehen. Sie heißen Bachir Gemayel, Samir Geagea, Amin Gemayel, Walid Dschumblat, Michel Aoun und Hassan Nasrallah. Ihre Konterfeis schmücken unzählige Hauswände, Mauern, Tore und Autos. Selbstverständlich streng getrennt nach Quartier. Wer gerade mit wem paktiert oder gerade wieder nicht: Das ist eines der großen Rätsel des politischen Tagesgeschäfts im Libanon. Die Menschen und die Medien haben eine Analyse weitgehend aufgegeben. Ob Optimist oder Zyniker, von beiden gibt es in Beirut genug - keinen verbindet noch etwas Positives mit der politischen Klasse des Landes. Zu oft wurden die Hoffnungen der Menschen im Ränkespiel der Macht veräußert. Das letzte Mal geschah das im Jahre 2008, als die Hisbollah das Zentrum von Beirut 18 Monate besetzte, um die Regierung aus dem Amt zu jagen. Seit Juni 2009 verhandelt der gewählte Premier Saad al-Hariri mit allen Parteien über ein Kabinett, ein Abschluss ist nicht in Sicht. Die Bewohner Beiruts kommentieren die politische Entwicklung oft nur noch mit einem Schulterzucken. Ein Blick zurück: Das bedeutet, anzuhalten und über die emotionale und gesellschaftliche Zerstörung ihrer einstmals so einmaligen Lebensgemeinschaft nachzudenken. Es muss weiter gehen, der Blick wird nach Vorne gerichtet. Nur weg vom Gestern hinein in die Zukunft - so kurz sie auch sein mag.
Beirut! O queen of the world
Beirut! O Queen of the world . . . Who sold your ruby-chiselled bracelets? Who took away your magic ring, And cut out your golden nails? Who killed the joy in your green eyes, Slashed your face with a knife, And threw burning acid on your lovely lips? Who poisoned the sea water And sprinkled hatred on your rosy beaches? Here we come . . . to apologize . . . to confess That we fired on you with a tribal spirit . . . And killed a woman . . . once called (Liberty) . . .
What can we say, Beirut . . . When the essence of human sorrow is in your eye And the ashes of civil war on your breast? What can we say, O, summer fan and damask rose? Beirut--Who ever thought we would meet As you lay in ruins? Who ever thought the eye one day would be at war with the lashes? What can we say, my pearl . . . My wheat flower . . . My pen My dream My poem? How could you become cruel When you were as delicate as a nymph? I cannot understand how the sparrow Turned into a wild night cat . . . I cannot understand, at all, O Beirut I cannot understand how you denied God And fell back into paganism . . .
Rise out of the blue wave, Ishtar! Rise up as a rose poem Rise up as a fiery poem There was nothing before you Nothing after you Nothing like you You, quintessence of all time You, field of pearls . . . Harbour of love . . . The peacock of water Rise up for love's sake For the poets The bread The poor Love is beckoning you . . . Queen of Queens . . . God wants you, most beautiful Queen You paid a high price for your beauty As all beauties do You paid a high price For all the words . . .
Nizar Kabbani
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Beirut - Koeniging der WeltBeirut trägt einen malerischen Beinamen: "Paris des Ostens". Seit kurzem wird die libanesische Hauptstadt in Reiseführen und Medien als "die" Partystadt an der Levante gepriesen. Dabei sind seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel nur vier Jahre vergangen, und Grenzgeplänkel mit den Nachbarn gibt es im Halbjahres-Takt. Zudem steht das kleine - theoretisch unabhängige - Land zwischen den Mächten: Der Libanon wird umworben nicht nur von Teheran und dessen Präsidenten Ahmadinedschad, sondern auch von Syrien, von Europa und den USA.
Beirut ist gespalten - und das ist auch der Rest des Landes. Regionen, Viertel und Häuser sind unterteilt in religiöse und politische Einflussräume. Die Grenzen sind meistens nicht zu erkennen und für einen Europäer erst recht kaum nachzuvollziehen. Gäbe es nicht die Rue Damaskus, wo zerbombte Häuser noch immer in den Himmel ragen, und gäbe es nicht die allgegenwärtigen Militärposten der Armee: Dann würde man angesichts des Baubooms und der schicken Autos auf Beiruts Straßen denken: Das muss ein Traum aus 1001 Nacht sein. Doch Beirut ist eben nicht Dubai: Auch wenn die meisten Offroader ein arabisches Kennzeichen haben und sich im wieder aufgebauten Zentrum Flagstores der internationalen Luxusmarken wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Der Osten ist immer noch vorwiegend christlich, der Westen und Süden muslimisch.
Die Menschen in Beirut sind Meister der Verdrängung und des Vergessens. Ein Erbe von 30 Jahren mit Kriegen und Besatzungen durch fremde Mächte - und nicht zuletzt dem Bürgerkrieg. Kaum ist die letzte Bombe gefallen, wird nach vorne geschaut, wird der Schutt zur Seite geschoben, wird neu gebaut. Wie in Dahiye, dem Machtzentrum der Hisbollah. 2006 verwandelten israelische Angriffe es weitgehend in eine Trümmerlandschaft - danach entstanden in Rekordzeit neue Wohnblocks. Im Stadtzentrum errichtet die Firma Solidere des ermordeten, ehemaligen Premier al-Hariri ein Disneyland für superreiche Araber. Authentisch und doch zugleich surreal werden alte Fassaden instand gesetzt, Neubauten aus dem Boden gestampft und einzig eine durchschossene Skulptur am Martyrs' Square hält einsam die Erinnerung an die Tage wach, in denen hier Kriegsgebiet war.
Die Bewohner Beiruts schreiten unaufhaltsam voran. Die Stadt ist teuer, das macht das Überleben nicht einfacher. Jeder wirkt beschäftigt, ist unterwegs auf der Suche nach einem Geschäftsabschluss, einem Job für den Tag oder einer Speisung für sich und die Familie durch Wohltätige. Besonders junge Männer gehen zum Arbeiten ins Ausland. Die Zurückbleibenden arrangieren sich. Sein Viertel verlassen muss niemand wirklich. Durch die religiöse Separation während des Bürgerkrieges sind die Stadtgebiete autark geworden, so dass ein Wechsel in ein anderes Quartier nicht notwendig ist. Nur die Corniche, die lange Küstenpromenade wird von allen gleich genutzt. Hier begegnen sich die 18 Konfessionen der Stadt. Zwar gibt es auch hier Grenzen: So gehört die Taubengrotte - ein Wahrzeichen Beiruts - eindeutig den Muslimen und die elitären Jacht- und Beachclubs gehören scheinbar den Christen. Unter den Palmen aber, deren Stämme teilweise noch Schusslöcher aufweisen, tummeln sich je nach Tageszeit Jogger, Fahrradfahrer, Touristen, fliegende Händler und Nachtschwärmer in friedlicher Eintracht.
Seit Jahrzehnten dominieren die gleichen Männer das gesellschaftliche und politische Geschehen. Sie heißen Bachir Gemayel, Samir Geagea, Amin Gemayel, Walid Dschumblat, Michel Aoun und Hassan Nasrallah. Ihre Konterfeis schmücken unzählige Hauswände, Mauern, Tore und Autos. Selbstverständlich streng getrennt nach Quartier. Wer gerade mit wem paktiert oder gerade wieder nicht: Das ist eines der großen Rätsel des politischen Tagesgeschäfts im Libanon. Die Menschen und die Medien haben eine Analyse weitgehend aufgegeben. Ob Optimist oder Zyniker, von beiden gibt es in Beirut genug - keinen verbindet noch etwas Positives mit der politischen Klasse des Landes. Zu oft wurden die Hoffnungen der Menschen im Ränkespiel der Macht veräußert. Das letzte Mal geschah das im Jahre 2008, als die Hisbollah das Zentrum von Beirut 18 Monate besetzte, um die Regierung aus dem Amt zu jagen. Seit Juni 2009 verhandelt der gewählte Premier Saad al-Hariri mit allen Parteien über ein Kabinett, ein Abschluss ist nicht in Sicht. Die Bewohner Beiruts kommentieren die politische Entwicklung oft nur noch mit einem Schulterzucken. Ein Blick zurück: Das bedeutet, anzuhalten und über die emotionale und gesellschaftliche Zerstörung ihrer einstmals so einmaligen Lebensgemeinschaft nachzudenken. Es muss weiter gehen, der Blick wird nach Vorne gerichtet. Nur weg vom Gestern hinein in die Zukunft - so kurz sie auch sein mag.
Beirut! O queen of the world
Beirut! O Queen of the world . . . Who sold your ruby-chiselled bracelets? Who took away your magic ring, And cut out your golden nails? Who killed the joy in your green eyes, Slashed your face with a knife, And threw burning acid on your lovely lips? Who poisoned the sea water And sprinkled hatred on your rosy beaches? Here we come . . . to apologize . . . to confess That we fired on you with a tribal spirit . . . And killed a woman . . . once called (Liberty) . . .
What can we say, Beirut . . . When the essence of human sorrow is in your eye And the ashes of civil war on your breast? What can we say, O, summer fan and damask rose? Beirut--Who ever thought we would meet As you lay in ruins? Who ever thought the eye one day would be at war with the lashes? What can we say, my pearl . . . My wheat flower . . . My pen My dream My poem? How could you become cruel When you were as delicate as a nymph? I cannot understand how the sparrow Turned into a wild night cat . . . I cannot understand, at all, O Beirut I cannot understand how you denied God And fell back into paganism . . .
Rise out of the blue wave, Ishtar! Rise up as a rose poem Rise up as a fiery poem There was nothing before you Nothing after you Nothing like you You, quintessence of all time You, field of pearls . . . Harbour of love . . . The peacock of water Rise up for love's sake For the poets The bread The poor Love is beckoning you . . . Queen of Queens . . . God wants you, most beautiful Queen You paid a high price for your beauty As all beauties do You paid a high price For all the words . . .
Nizar Kabbani
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Beirut - Koeniging der WeltBeirut trägt einen malerischen Beinamen: "Paris des Ostens". Seit kurzem wird die libanesische Hauptstadt in Reiseführen und Medien als "die" Partystadt an der Levante gepriesen. Dabei sind seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel nur vier Jahre vergangen, und Grenzgeplänkel mit den Nachbarn gibt es im Halbjahres-Takt. Zudem steht das kleine - theoretisch unabhängige - Land zwischen den Mächten: Der Libanon wird umworben nicht nur von Teheran und dessen Präsidenten Ahmadinedschad, sondern auch von Syrien, von Europa und den USA.
Beirut ist gespalten - und das ist auch der Rest des Landes. Regionen, Viertel und Häuser sind unterteilt in religiöse und politische Einflussräume. Die Grenzen sind meistens nicht zu erkennen und für einen Europäer erst recht kaum nachzuvollziehen. Gäbe es nicht die Rue Damaskus, wo zerbombte Häuser noch immer in den Himmel ragen, und gäbe es nicht die allgegenwärtigen Militärposten der Armee: Dann würde man angesichts des Baubooms und der schicken Autos auf Beiruts Straßen denken: Das muss ein Traum aus 1001 Nacht sein. Doch Beirut ist eben nicht Dubai: Auch wenn die meisten Offroader ein arabisches Kennzeichen haben und sich im wieder aufgebauten Zentrum Flagstores der internationalen Luxusmarken wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Der Osten ist immer noch vorwiegend christlich, der Westen und Süden muslimisch.
Die Menschen in Beirut sind Meister der Verdrängung und des Vergessens. Ein Erbe von 30 Jahren mit Kriegen und Besatzungen durch fremde Mächte - und nicht zuletzt dem Bürgerkrieg. Kaum ist die letzte Bombe gefallen, wird nach vorne geschaut, wird der Schutt zur Seite geschoben, wird neu gebaut. Wie in Dahiye, dem Machtzentrum der Hisbollah. 2006 verwandelten israelische Angriffe es weitgehend in eine Trümmerlandschaft - danach entstanden in Rekordzeit neue Wohnblocks. Im Stadtzentrum errichtet die Firma Solidere des ermordeten, ehemaligen Premier al-Hariri ein Disneyland für superreiche Araber. Authentisch und doch zugleich surreal werden alte Fassaden instand gesetzt, Neubauten aus dem Boden gestampft und einzig eine durchschossene Skulptur am Martyrs' Square hält einsam die Erinnerung an die Tage wach, in denen hier Kriegsgebiet war.
Die Bewohner Beiruts schreiten unaufhaltsam voran. Die Stadt ist teuer, das macht das Überleben nicht einfacher. Jeder wirkt beschäftigt, ist unterwegs auf der Suche nach einem Geschäftsabschluss, einem Job für den Tag oder einer Speisung für sich und die Familie durch Wohltätige. Besonders junge Männer gehen zum Arbeiten ins Ausland. Die Zurückbleibenden arrangieren sich. Sein Viertel verlassen muss niemand wirklich. Durch die religiöse Separation während des Bürgerkrieges sind die Stadtgebiete autark geworden, so dass ein Wechsel in ein anderes Quartier nicht notwendig ist. Nur die Corniche, die lange Küstenpromenade wird von allen gleich genutzt. Hier begegnen sich die 18 Konfessionen der Stadt. Zwar gibt es auch hier Grenzen: So gehört die Taubengrotte - ein Wahrzeichen Beiruts - eindeutig den Muslimen und die elitären Jacht- und Beachclubs gehören scheinbar den Christen. Unter den Palmen aber, deren Stämme teilweise noch Schusslöcher aufweisen, tummeln sich je nach Tageszeit Jogger, Fahrradfahrer, Touristen, fliegende Händler und Nachtschwärmer in friedlicher Eintracht.
Seit Jahrzehnten dominieren die gleichen Männer das gesellschaftliche und politische Geschehen. Sie heißen Bachir Gemayel, Samir Geagea, Amin Gemayel, Walid Dschumblat, Michel Aoun und Hassan Nasrallah. Ihre Konterfeis schmücken unzählige Hauswände, Mauern, Tore und Autos. Selbstverständlich streng getrennt nach Quartier. Wer gerade mit wem paktiert oder gerade wieder nicht: Das ist eines der großen Rätsel des politischen Tagesgeschäfts im Libanon. Die Menschen und die Medien haben eine Analyse weitgehend aufgegeben. Ob Optimist oder Zyniker, von beiden gibt es in Beirut genug - keinen verbindet noch etwas Positives mit der politischen Klasse des Landes. Zu oft wurden die Hoffnungen der Menschen im Ränkespiel der Macht veräußert. Das letzte Mal geschah das im Jahre 2008, als die Hisbollah das Zentrum von Beirut 18 Monate besetzte, um die Regierung aus dem Amt zu jagen. Seit Juni 2009 verhandelt der gewählte Premier Saad al-Hariri mit allen Parteien über ein Kabinett, ein Abschluss ist nicht in Sicht. Die Bewohner Beiruts kommentieren die politische Entwicklung oft nur noch mit einem Schulterzucken. Ein Blick zurück: Das bedeutet, anzuhalten und über die emotionale und gesellschaftliche Zerstörung ihrer einstmals so einmaligen Lebensgemeinschaft nachzudenken. Es muss weiter gehen, der Blick wird nach Vorne gerichtet. Nur weg vom Gestern hinein in die Zukunft - so kurz sie auch sein mag.
Beirut! O queen of the world
Beirut! O Queen of the world . . . Who sold your ruby-chiselled bracelets? Who took away your magic ring, And cut out your golden nails? Who killed the joy in your green eyes, Slashed your face with a knife, And threw burning acid on your lovely lips? Who poisoned the sea water And sprinkled hatred on your rosy beaches? Here we come . . . to apologize . . . to confess That we fired on you with a tribal spirit . . . And killed a woman . . . once called (Liberty) . . .
What can we say, Beirut . . . When the essence of human sorrow is in your eye And the ashes of civil war on your breast? What can we say, O, summer fan and damask rose? Beirut--Who ever thought we would meet As you lay in ruins? Who ever thought the eye one day would be at war with the lashes? What can we say, my pearl . . . My wheat flower . . . My pen My dream My poem? How could you become cruel When you were as delicate as a nymph? I cannot understand how the sparrow Turned into a wild night cat . . . I cannot understand, at all, O Beirut I cannot understand how you denied God And fell back into paganism . . .
Rise out of the blue wave, Ishtar! Rise up as a rose poem Rise up as a fiery poem There was nothing before you Nothing after you Nothing like you You, quintessence of all time You, field of pearls . . . Harbour of love . . . The peacock of water Rise up for love's sake For the poets The bread The poor Love is beckoning you . . . Queen of Queens . . . God wants you, most beautiful Queen You paid a high price for your beauty As all beauties do You paid a high price For all the words . . .
Nizar Kabbani
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Beirut - Koeniging der WeltBeirut trägt einen malerischen Beinamen: "Paris des Ostens". Seit kurzem wird die libanesische Hauptstadt in Reiseführen und Medien als "die" Partystadt an der Levante gepriesen. Dabei sind seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel nur vier Jahre vergangen, und Grenzgeplänkel mit den Nachbarn gibt es im Halbjahres-Takt. Zudem steht das kleine - theoretisch unabhängige - Land zwischen den Mächten: Der Libanon wird umworben nicht nur von Teheran und dessen Präsidenten Ahmadinedschad, sondern auch von Syrien, von Europa und den USA.
Beirut ist gespalten - und das ist auch der Rest des Landes. Regionen, Viertel und Häuser sind unterteilt in religiöse und politische Einflussräume. Die Grenzen sind meistens nicht zu erkennen und für einen Europäer erst recht kaum nachzuvollziehen. Gäbe es nicht die Rue Damaskus, wo zerbombte Häuser noch immer in den Himmel ragen, und gäbe es nicht die allgegenwärtigen Militärposten der Armee: Dann würde man angesichts des Baubooms und der schicken Autos auf Beiruts Straßen denken: Das muss ein Traum aus 1001 Nacht sein. Doch Beirut ist eben nicht Dubai: Auch wenn die meisten Offroader ein arabisches Kennzeichen haben und sich im wieder aufgebauten Zentrum Flagstores der internationalen Luxusmarken wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Der Osten ist immer noch vorwiegend christlich, der Westen und Süden muslimisch.
Die Menschen in Beirut sind Meister der Verdrängung und des Vergessens. Ein Erbe von 30 Jahren mit Kriegen und Besatzungen durch fremde Mächte - und nicht zuletzt dem Bürgerkrieg. Kaum ist die letzte Bombe gefallen, wird nach vorne geschaut, wird der Schutt zur Seite geschoben, wird neu gebaut. Wie in Dahiye, dem Machtzentrum der Hisbollah. 2006 verwandelten israelische Angriffe es weitgehend in eine Trümmerlandschaft - danach entstanden in Rekordzeit neue Wohnblocks. Im Stadtzentrum errichtet die Firma Solidere des ermordeten, ehemaligen Premier al-Hariri ein Disneyland für superreiche Araber. Authentisch und doch zugleich surreal werden alte Fassaden instand gesetzt, Neubauten aus dem Boden gestampft und einzig eine durchschossene Skulptur am Martyrs' Square hält einsam die Erinnerung an die Tage wach, in denen hier Kriegsgebiet war.
Die Bewohner Beiruts schreiten unaufhaltsam voran. Die Stadt ist teuer, das macht das Überleben nicht einfacher. Jeder wirkt beschäftigt, ist unterwegs auf der Suche nach einem Geschäftsabschluss, einem Job für den Tag oder einer Speisung für sich und die Familie durch Wohltätige. Besonders junge Männer gehen zum Arbeiten ins Ausland. Die Zurückbleibenden arrangieren sich. Sein Viertel verlassen muss niemand wirklich. Durch die religiöse Separation während des Bürgerkrieges sind die Stadtgebiete autark geworden, so dass ein Wechsel in ein anderes Quartier nicht notwendig ist. Nur die Corniche, die lange Küstenpromenade wird von allen gleich genutzt. Hier begegnen sich die 18 Konfessionen der Stadt. Zwar gibt es auch hier Grenzen: So gehört die Taubengrotte - ein Wahrzeichen Beiruts - eindeutig den Muslimen und die elitären Jacht- und Beachclubs gehören scheinbar den Christen. Unter den Palmen aber, deren Stämme teilweise noch Schusslöcher aufweisen, tummeln sich je nach Tageszeit Jogger, Fahrradfahrer, Touristen, fliegende Händler und Nachtschwärmer in friedlicher Eintracht.
Seit Jahrzehnten dominieren die gleichen Männer das gesellschaftliche und politische Geschehen. Sie heißen Bachir Gemayel, Samir Geagea, Amin Gemayel, Walid Dschumblat, Michel Aoun und Hassan Nasrallah. Ihre Konterfeis schmücken unzählige Hauswände, Mauern, Tore und Autos. Selbstverständlich streng getrennt nach Quartier. Wer gerade mit wem paktiert oder gerade wieder nicht: Das ist eines der großen Rätsel des politischen Tagesgeschäfts im Libanon. Die Menschen und die Medien haben eine Analyse weitgehend aufgegeben. Ob Optimist oder Zyniker, von beiden gibt es in Beirut genug - keinen verbindet noch etwas Positives mit der politischen Klasse des Landes. Zu oft wurden die Hoffnungen der Menschen im Ränkespiel der Macht veräußert. Das letzte Mal geschah das im Jahre 2008, als die Hisbollah das Zentrum von Beirut 18 Monate besetzte, um die Regierung aus dem Amt zu jagen. Seit Juni 2009 verhandelt der gewählte Premier Saad al-Hariri mit allen Parteien über ein Kabinett, ein Abschluss ist nicht in Sicht. Die Bewohner Beiruts kommentieren die politische Entwicklung oft nur noch mit einem Schulterzucken. Ein Blick zurück: Das bedeutet, anzuhalten und über die emotionale und gesellschaftliche Zerstörung ihrer einstmals so einmaligen Lebensgemeinschaft nachzudenken. Es muss weiter gehen, der Blick wird nach Vorne gerichtet. Nur weg vom Gestern hinein in die Zukunft - so kurz sie auch sein mag.
Beirut! O queen of the world
Beirut! O Queen of the world . . . Who sold your ruby-chiselled bracelets? Who took away your magic ring, And cut out your golden nails? Who killed the joy in your green eyes, Slashed your face with a knife, And threw burning acid on your lovely lips? Who poisoned the sea water And sprinkled hatred on your rosy beaches? Here we come . . . to apologize . . . to confess That we fired on you with a tribal spirit . . . And killed a woman . . . once called (Liberty) . . .
What can we say, Beirut . . . When the essence of human sorrow is in your eye And the ashes of civil war on your breast? What can we say, O, summer fan and damask rose? Beirut--Who ever thought we would meet As you lay in ruins? Who ever thought the eye one day would be at war with the lashes? What can we say, my pearl . . . My wheat flower . . . My pen My dream My poem? How could you become cruel When you were as delicate as a nymph? I cannot understand how the sparrow Turned into a wild night cat . . . I cannot understand, at all, O Beirut I cannot understand how you denied God And fell back into paganism . . .
Rise out of the blue wave, Ishtar! Rise up as a rose poem Rise up as a fiery poem There was nothing before you Nothing after you Nothing like you You, quintessence of all time You, field of pearls . . . Harbour of love . . . The peacock of water Rise up for love's sake For the poets The bread The poor Love is beckoning you . . . Queen of Queens . . . God wants you, most beautiful Queen You paid a high price for your beauty As all beauties do You paid a high price For all the words . . .
Nizar Kabbani
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Beirut - Koeniging der WeltBeirut trägt einen malerischen Beinamen: "Paris des Ostens". Seit kurzem wird die libanesische Hauptstadt in Reiseführen und Medien als "die" Partystadt an der Levante gepriesen. Dabei sind seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel nur vier Jahre vergangen, und Grenzgeplänkel mit den Nachbarn gibt es im Halbjahres-Takt. Zudem steht das kleine - theoretisch unabhängige - Land zwischen den Mächten: Der Libanon wird umworben nicht nur von Teheran und dessen Präsidenten Ahmadinedschad, sondern auch von Syrien, von Europa und den USA.
Beirut ist gespalten - und das ist auch der Rest des Landes. Regionen, Viertel und Häuser sind unterteilt in religiöse und politische Einflussräume. Die Grenzen sind meistens nicht zu erkennen und für einen Europäer erst recht kaum nachzuvollziehen. Gäbe es nicht die Rue Damaskus, wo zerbombte Häuser noch immer in den Himmel ragen, und gäbe es nicht die allgegenwärtigen Militärposten der Armee: Dann würde man angesichts des Baubooms und der schicken Autos auf Beiruts Straßen denken: Das muss ein Traum aus 1001 Nacht sein. Doch Beirut ist eben nicht Dubai: Auch wenn die meisten Offroader ein arabisches Kennzeichen haben und sich im wieder aufgebauten Zentrum Flagstores der internationalen Luxusmarken wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Der Osten ist immer noch vorwiegend christlich, der Westen und Süden muslimisch.
Die Menschen in Beirut sind Meister der Verdrängung und des Vergessens. Ein Erbe von 30 Jahren mit Kriegen und Besatzungen durch fremde Mächte - und nicht zuletzt dem Bürgerkrieg. Kaum ist die letzte Bombe gefallen, wird nach vorne geschaut, wird der Schutt zur Seite geschoben, wird neu gebaut. Wie in Dahiye, dem Machtzentrum der Hisbollah. 2006 verwandelten israelische Angriffe es weitgehend in eine Trümmerlandschaft - danach entstanden in Rekordzeit neue Wohnblocks. Im Stadtzentrum errichtet die Firma Solidere des ermordeten, ehemaligen Premier al-Hariri ein Disneyland für superreiche Araber. Authentisch und doch zugleich surreal werden alte Fassaden instand gesetzt, Neubauten aus dem Boden gestampft und einzig eine durchschossene Skulptur am Martyrs' Square hält einsam die Erinnerung an die Tage wach, in denen hier Kriegsgebiet war.
Die Bewohner Beiruts schreiten unaufhaltsam voran. Die Stadt ist teuer, das macht das Überleben nicht einfacher. Jeder wirkt beschäftigt, ist unterwegs auf der Suche nach einem Geschäftsabschluss, einem Job für den Tag oder einer Speisung für sich und die Familie durch Wohltätige. Besonders junge Männer gehen zum Arbeiten ins Ausland. Die Zurückbleibenden arrangieren sich. Sein Viertel verlassen muss niemand wirklich. Durch die religiöse Separation während des Bürgerkrieges sind die Stadtgebiete autark geworden, so dass ein Wechsel in ein anderes Quartier nicht notwendig ist. Nur die Corniche, die lange Küstenpromenade wird von allen gleich genutzt. Hier begegnen sich die 18 Konfessionen der Stadt. Zwar gibt es auch hier Grenzen: So gehört die Taubengrotte - ein Wahrzeichen Beiruts - eindeutig den Muslimen und die elitären Jacht- und Beachclubs gehören scheinbar den Christen. Unter den Palmen aber, deren Stämme teilweise noch Schusslöcher aufweisen, tummeln sich je nach Tageszeit Jogger, Fahrradfahrer, Touristen, fliegende Händler und Nachtschwärmer in friedlicher Eintracht.
Seit Jahrzehnten dominieren die gleichen Männer das gesellschaftliche und politische Geschehen. Sie heißen Bachir Gemayel, Samir Geagea, Amin Gemayel, Walid Dschumblat, Michel Aoun und Hassan Nasrallah. Ihre Konterfeis schmücken unzählige Hauswände, Mauern, Tore und Autos. Selbstverständlich streng getrennt nach Quartier. Wer gerade mit wem paktiert oder gerade wieder nicht: Das ist eines der großen Rätsel des politischen Tagesgeschäfts im Libanon. Die Menschen und die Medien haben eine Analyse weitgehend aufgegeben. Ob Optimist oder Zyniker, von beiden gibt es in Beirut genug - keinen verbindet noch etwas Positives mit der politischen Klasse des Landes. Zu oft wurden die Hoffnungen der Menschen im Ränkespiel der Macht veräußert. Das letzte Mal geschah das im Jahre 2008, als die Hisbollah das Zentrum von Beirut 18 Monate besetzte, um die Regierung aus dem Amt zu jagen. Seit Juni 2009 verhandelt der gewählte Premier Saad al-Hariri mit allen Parteien über ein Kabinett, ein Abschluss ist nicht in Sicht. Die Bewohner Beiruts kommentieren die politische Entwicklung oft nur noch mit einem Schulterzucken. Ein Blick zurück: Das bedeutet, anzuhalten und über die emotionale und gesellschaftliche Zerstörung ihrer einstmals so einmaligen Lebensgemeinschaft nachzudenken. Es muss weiter gehen, der Blick wird nach Vorne gerichtet. Nur weg vom Gestern hinein in die Zukunft - so kurz sie auch sein mag.
Beirut! O queen of the world
Beirut! O Queen of the world . . . Who sold your ruby-chiselled bracelets? Who took away your magic ring, And cut out your golden nails? Who killed the joy in your green eyes, Slashed your face with a knife, And threw burning acid on your lovely lips? Who poisoned the sea water And sprinkled hatred on your rosy beaches? Here we come . . . to apologize . . . to confess That we fired on you with a tribal spirit . . . And killed a woman . . . once called (Liberty) . . .
What can we say, Beirut . . . When the essence of human sorrow is in your eye And the ashes of civil war on your breast? What can we say, O, summer fan and damask rose? Beirut--Who ever thought we would meet As you lay in ruins? Who ever thought the eye one day would be at war with the lashes? What can we say, my pearl . . . My wheat flower . . . My pen My dream My poem? How could you become cruel When you were as delicate as a nymph? I cannot understand how the sparrow Turned into a wild night cat . . . I cannot understand, at all, O Beirut I cannot understand how you denied God And fell back into paganism . . .
Rise out of the blue wave, Ishtar! Rise up as a rose poem Rise up as a fiery poem There was nothing before you Nothing after you Nothing like you You, quintessence of all time You, field of pearls . . . Harbour of love . . . The peacock of water Rise up for love's sake For the poets The bread The poor Love is beckoning you . . . Queen of Queens . . . God wants you, most beautiful Queen You paid a high price for your beauty As all beauties do You paid a high price For all the words . . .
Nizar Kabbani
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Beirut - Koeniging der WeltBeirut trägt einen malerischen Beinamen: "Paris des Ostens". Seit kurzem wird die libanesische Hauptstadt in Reiseführen und Medien als "die" Partystadt an der Levante gepriesen. Dabei sind seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel nur vier Jahre vergangen, und Grenzgeplänkel mit den Nachbarn gibt es im Halbjahres-Takt. Zudem steht das kleine - theoretisch unabhängige - Land zwischen den Mächten: Der Libanon wird umworben nicht nur von Teheran und dessen Präsidenten Ahmadinedschad, sondern auch von Syrien, von Europa und den USA.
Beirut ist gespalten - und das ist auch der Rest des Landes. Regionen, Viertel und Häuser sind unterteilt in religiöse und politische Einflussräume. Die Grenzen sind meistens nicht zu erkennen und für einen Europäer erst recht kaum nachzuvollziehen. Gäbe es nicht die Rue Damaskus, wo zerbombte Häuser noch immer in den Himmel ragen, und gäbe es nicht die allgegenwärtigen Militärposten der Armee: Dann würde man angesichts des Baubooms und der schicken Autos auf Beiruts Straßen denken: Das muss ein Traum aus 1001 Nacht sein. Doch Beirut ist eben nicht Dubai: Auch wenn die meisten Offroader ein arabisches Kennzeichen haben und sich im wieder aufgebauten Zentrum Flagstores der internationalen Luxusmarken wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Der Osten ist immer noch vorwiegend christlich, der Westen und Süden muslimisch.
Die Menschen in Beirut sind Meister der Verdrängung und des Vergessens. Ein Erbe von 30 Jahren mit Kriegen und Besatzungen durch fremde Mächte - und nicht zuletzt dem Bürgerkrieg. Kaum ist die letzte Bombe gefallen, wird nach vorne geschaut, wird der Schutt zur Seite geschoben, wird neu gebaut. Wie in Dahiye, dem Machtzentrum der Hisbollah. 2006 verwandelten israelische Angriffe es weitgehend in eine Trümmerlandschaft - danach entstanden in Rekordzeit neue Wohnblocks. Im Stadtzentrum errichtet die Firma Solidere des ermordeten, ehemaligen Premier al-Hariri ein Disneyland für superreiche Araber. Authentisch und doch zugleich surreal werden alte Fassaden instand gesetzt, Neubauten aus dem Boden gestampft und einzig eine durchschossene Skulptur am Martyrs' Square hält einsam die Erinnerung an die Tage wach, in denen hier Kriegsgebiet war.
Die Bewohner Beiruts schreiten unaufhaltsam voran. Die Stadt ist teuer, das macht das Überleben nicht einfacher. Jeder wirkt beschäftigt, ist unterwegs auf der Suche nach einem Geschäftsabschluss, einem Job für den Tag oder einer Speisung für sich und die Familie durch Wohltätige. Besonders junge Männer gehen zum Arbeiten ins Ausland. Die Zurückbleibenden arrangieren sich. Sein Viertel verlassen muss niemand wirklich. Durch die religiöse Separation während des Bürgerkrieges sind die Stadtgebiete autark geworden, so dass ein Wechsel in ein anderes Quartier nicht notwendig ist. Nur die Corniche, die lange Küstenpromenade wird von allen gleich genutzt. Hier begegnen sich die 18 Konfessionen der Stadt. Zwar gibt es auch hier Grenzen: So gehört die Taubengrotte - ein Wahrzeichen Beiruts - eindeutig den Muslimen und die elitären Jacht- und Beachclubs gehören scheinbar den Christen. Unter den Palmen aber, deren Stämme teilweise noch Schusslöcher aufweisen, tummeln sich je nach Tageszeit Jogger, Fahrradfahrer, Touristen, fliegende Händler und Nachtschwärmer in friedlicher Eintracht.
Seit Jahrzehnten dominieren die gleichen Männer das gesellschaftliche und politische Geschehen. Sie heißen Bachir Gemayel, Samir Geagea, Amin Gemayel, Walid Dschumblat, Michel Aoun und Hassan Nasrallah. Ihre Konterfeis schmücken unzählige Hauswände, Mauern, Tore und Autos. Selbstverständlich streng getrennt nach Quartier. Wer gerade mit wem paktiert oder gerade wieder nicht: Das ist eines der großen Rätsel des politischen Tagesgeschäfts im Libanon. Die Menschen und die Medien haben eine Analyse weitgehend aufgegeben. Ob Optimist oder Zyniker, von beiden gibt es in Beirut genug - keinen verbindet noch etwas Positives mit der politischen Klasse des Landes. Zu oft wurden die Hoffnungen der Menschen im Ränkespiel der Macht veräußert. Das letzte Mal geschah das im Jahre 2008, als die Hisbollah das Zentrum von Beirut 18 Monate besetzte, um die Regierung aus dem Amt zu jagen. Seit Juni 2009 verhandelt der gewählte Premier Saad al-Hariri mit allen Parteien über ein Kabinett, ein Abschluss ist nicht in Sicht. Die Bewohner Beiruts kommentieren die politische Entwicklung oft nur noch mit einem Schulterzucken. Ein Blick zurück: Das bedeutet, anzuhalten und über die emotionale und gesellschaftliche Zerstörung ihrer einstmals so einmaligen Lebensgemeinschaft nachzudenken. Es muss weiter gehen, der Blick wird nach Vorne gerichtet. Nur weg vom Gestern hinein in die Zukunft - so kurz sie auch sein mag.
Beirut! O queen of the world
Beirut! O Queen of the world . . . Who sold your ruby-chiselled bracelets? Who took away your magic ring, And cut out your golden nails? Who killed the joy in your green eyes, Slashed your face with a knife, And threw burning acid on your lovely lips? Who poisoned the sea water And sprinkled hatred on your rosy beaches? Here we come . . . to apologize . . . to confess That we fired on you with a tribal spirit . . . And killed a woman . . . once called (Liberty) . . .
What can we say, Beirut . . . When the essence of human sorrow is in your eye And the ashes of civil war on your breast? What can we say, O, summer fan and damask rose? Beirut--Who ever thought we would meet As you lay in ruins? Who ever thought the eye one day would be at war with the lashes? What can we say, my pearl . . . My wheat flower . . . My pen My dream My poem? How could you become cruel When you were as delicate as a nymph? I cannot understand how the sparrow Turned into a wild night cat . . . I cannot understand, at all, O Beirut I cannot understand how you denied God And fell back into paganism . . .
Rise out of the blue wave, Ishtar! Rise up as a rose poem Rise up as a fiery poem There was nothing before you Nothing after you Nothing like you You, quintessence of all time You, field of pearls . . . Harbour of love . . . The peacock of water Rise up for love's sake For the poets The bread The poor Love is beckoning you . . . Queen of Queens . . . God wants you, most beautiful Queen You paid a high price for your beauty As all beauties do You paid a high price For all the words . . .
Nizar Kabbani
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Beirut - Koeniging der WeltBeirut trägt einen malerischen Beinamen: "Paris des Ostens". Seit kurzem wird die libanesische Hauptstadt in Reiseführen und Medien als "die" Partystadt an der Levante gepriesen. Dabei sind seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel nur vier Jahre vergangen, und Grenzgeplänkel mit den Nachbarn gibt es im Halbjahres-Takt. Zudem steht das kleine - theoretisch unabhängige - Land zwischen den Mächten: Der Libanon wird umworben nicht nur von Teheran und dessen Präsidenten Ahmadinedschad, sondern auch von Syrien, von Europa und den USA.
Beirut ist gespalten - und das ist auch der Rest des Landes. Regionen, Viertel und Häuser sind unterteilt in religiöse und politische Einflussräume. Die Grenzen sind meistens nicht zu erkennen und für einen Europäer erst recht kaum nachzuvollziehen. Gäbe es nicht die Rue Damaskus, wo zerbombte Häuser noch immer in den Himmel ragen, und gäbe es nicht die allgegenwärtigen Militärposten der Armee: Dann würde man angesichts des Baubooms und der schicken Autos auf Beiruts Straßen denken: Das muss ein Traum aus 1001 Nacht sein. Doch Beirut ist eben nicht Dubai: Auch wenn die meisten Offroader ein arabisches Kennzeichen haben und sich im wieder aufgebauten Zentrum Flagstores der internationalen Luxusmarken wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Der Osten ist immer noch vorwiegend christlich, der Westen und Süden muslimisch.
Die Menschen in Beirut sind Meister der Verdrängung und des Vergessens. Ein Erbe von 30 Jahren mit Kriegen und Besatzungen durch fremde Mächte - und nicht zuletzt dem Bürgerkrieg. Kaum ist die letzte Bombe gefallen, wird nach vorne geschaut, wird der Schutt zur Seite geschoben, wird neu gebaut. Wie in Dahiye, dem Machtzentrum der Hisbollah. 2006 verwandelten israelische Angriffe es weitgehend in eine Trümmerlandschaft - danach entstanden in Rekordzeit neue Wohnblocks. Im Stadtzentrum errichtet die Firma Solidere des ermordeten, ehemaligen Premier al-Hariri ein Disneyland für superreiche Araber. Authentisch und doch zugleich surreal werden alte Fassaden instand gesetzt, Neubauten aus dem Boden gestampft und einzig eine durchschossene Skulptur am Martyrs' Square hält einsam die Erinnerung an die Tage wach, in denen hier Kriegsgebiet war.
Die Bewohner Beiruts schreiten unaufhaltsam voran. Die Stadt ist teuer, das macht das Überleben nicht einfacher. Jeder wirkt beschäftigt, ist unterwegs auf der Suche nach einem Geschäftsabschluss, einem Job für den Tag oder einer Speisung für sich und die Familie durch Wohltätige. Besonders junge Männer gehen zum Arbeiten ins Ausland. Die Zurückbleibenden arrangieren sich. Sein Viertel verlassen muss niemand wirklich. Durch die religiöse Separation während des Bürgerkrieges sind die Stadtgebiete autark geworden, so dass ein Wechsel in ein anderes Quartier nicht notwendig ist. Nur die Corniche, die lange Küstenpromenade wird von allen gleich genutzt. Hier begegnen sich die 18 Konfessionen der Stadt. Zwar gibt es auch hier Grenzen: So gehört die Taubengrotte - ein Wahrzeichen Beiruts - eindeutig den Muslimen und die elitären Jacht- und Beachclubs gehören scheinbar den Christen. Unter den Palmen aber, deren Stämme teilweise noch Schusslöcher aufweisen, tummeln sich je nach Tageszeit Jogger, Fahrradfahrer, Touristen, fliegende Händler und Nachtschwärmer in friedlicher Eintracht.
Seit Jahrzehnten dominieren die gleichen Männer das gesellschaftliche und politische Geschehen. Sie heißen Bachir Gemayel, Samir Geagea, Amin Gemayel, Walid Dschumblat, Michel Aoun und Hassan Nasrallah. Ihre Konterfeis schmücken unzählige Hauswände, Mauern, Tore und Autos. Selbstverständlich streng getrennt nach Quartier. Wer gerade mit wem paktiert oder gerade wieder nicht: Das ist eines der großen Rätsel des politischen Tagesgeschäfts im Libanon. Die Menschen und die Medien haben eine Analyse weitgehend aufgegeben. Ob Optimist oder Zyniker, von beiden gibt es in Beirut genug - keinen verbindet noch etwas Positives mit der politischen Klasse des Landes. Zu oft wurden die Hoffnungen der Menschen im Ränkespiel der Macht veräußert. Das letzte Mal geschah das im Jahre 2008, als die Hisbollah das Zentrum von Beirut 18 Monate besetzte, um die Regierung aus dem Amt zu jagen. Seit Juni 2009 verhandelt der gewählte Premier Saad al-Hariri mit allen Parteien über ein Kabinett, ein Abschluss ist nicht in Sicht. Die Bewohner Beiruts kommentieren die politische Entwicklung oft nur noch mit einem Schulterzucken. Ein Blick zurück: Das bedeutet, anzuhalten und über die emotionale und gesellschaftliche Zerstörung ihrer einstmals so einmaligen Lebensgemeinschaft nachzudenken. Es muss weiter gehen, der Blick wird nach Vorne gerichtet. Nur weg vom Gestern hinein in die Zukunft - so kurz sie auch sein mag.
Beirut! O queen of the world
Beirut! O Queen of the world . . . Who sold your ruby-chiselled bracelets? Who took away your magic ring, And cut out your golden nails? Who killed the joy in your green eyes, Slashed your face with a knife, And threw burning acid on your lovely lips? Who poisoned the sea water And sprinkled hatred on your rosy beaches? Here we come . . . to apologize . . . to confess That we fired on you with a tribal spirit . . . And killed a woman . . . once called (Liberty) . . .
What can we say, Beirut . . . When the essence of human sorrow is in your eye And the ashes of civil war on your breast? What can we say, O, summer fan and damask rose? Beirut--Who ever thought we would meet As you lay in ruins? Who ever thought the eye one day would be at war with the lashes? What can we say, my pearl . . . My wheat flower . . . My pen My dream My poem? How could you become cruel When you were as delicate as a nymph? I cannot understand how the sparrow Turned into a wild night cat . . . I cannot understand, at all, O Beirut I cannot understand how you denied God And fell back into paganism . . .
Rise out of the blue wave, Ishtar! Rise up as a rose poem Rise up as a fiery poem There was nothing before you Nothing after you Nothing like you You, quintessence of all time You, field of pearls . . . Harbour of love . . . The peacock of water Rise up for love's sake For the poets The bread The poor Love is beckoning you . . . Queen of Queens . . . God wants you, most beautiful Queen You paid a high price for your beauty As all beauties do You paid a high price For all the words . . .
Nizar Kabbani
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Beirut - Koeniging der WeltBeirut trägt einen malerischen Beinamen: "Paris des Ostens". Seit kurzem wird die libanesische Hauptstadt in Reiseführen und Medien als "die" Partystadt an der Levante gepriesen. Dabei sind seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel nur vier Jahre vergangen, und Grenzgeplänkel mit den Nachbarn gibt es im Halbjahres-Takt. Zudem steht das kleine - theoretisch unabhängige - Land zwischen den Mächten: Der Libanon wird umworben nicht nur von Teheran und dessen Präsidenten Ahmadinedschad, sondern auch von Syrien, von Europa und den USA.
Beirut ist gespalten - und das ist auch der Rest des Landes. Regionen, Viertel und Häuser sind unterteilt in religiöse und politische Einflussräume. Die Grenzen sind meistens nicht zu erkennen und für einen Europäer erst recht kaum nachzuvollziehen. Gäbe es nicht die Rue Damaskus, wo zerbombte Häuser noch immer in den Himmel ragen, und gäbe es nicht die allgegenwärtigen Militärposten der Armee: Dann würde man angesichts des Baubooms und der schicken Autos auf Beiruts Straßen denken: Das muss ein Traum aus 1001 Nacht sein. Doch Beirut ist eben nicht Dubai: Auch wenn die meisten Offroader ein arabisches Kennzeichen haben und sich im wieder aufgebauten Zentrum Flagstores der internationalen Luxusmarken wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Der Osten ist immer noch vorwiegend christlich, der Westen und Süden muslimisch.
Die Menschen in Beirut sind Meister der Verdrängung und des Vergessens. Ein Erbe von 30 Jahren mit Kriegen und Besatzungen durch fremde Mächte - und nicht zuletzt dem Bürgerkrieg. Kaum ist die letzte Bombe gefallen, wird nach vorne geschaut, wird der Schutt zur Seite geschoben, wird neu gebaut. Wie in Dahiye, dem Machtzentrum der Hisbollah. 2006 verwandelten israelische Angriffe es weitgehend in eine Trümmerlandschaft - danach entstanden in Rekordzeit neue Wohnblocks. Im Stadtzentrum errichtet die Firma Solidere des ermordeten, ehemaligen Premier al-Hariri ein Disneyland für superreiche Araber. Authentisch und doch zugleich surreal werden alte Fassaden instand gesetzt, Neubauten aus dem Boden gestampft und einzig eine durchschossene Skulptur am Martyrs' Square hält einsam die Erinnerung an die Tage wach, in denen hier Kriegsgebiet war.
Die Bewohner Beiruts schreiten unaufhaltsam voran. Die Stadt ist teuer, das macht das Überleben nicht einfacher. Jeder wirkt beschäftigt, ist unterwegs auf der Suche nach einem Geschäftsabschluss, einem Job für den Tag oder einer Speisung für sich und die Familie durch Wohltätige. Besonders junge Männer gehen zum Arbeiten ins Ausland. Die Zurückbleibenden arrangieren sich. Sein Viertel verlassen muss niemand wirklich. Durch die religiöse Separation während des Bürgerkrieges sind die Stadtgebiete autark geworden, so dass ein Wechsel in ein anderes Quartier nicht notwendig ist. Nur die Corniche, die lange Küstenpromenade wird von allen gleich genutzt. Hier begegnen sich die 18 Konfessionen der Stadt. Zwar gibt es auch hier Grenzen: So gehört die Taubengrotte - ein Wahrzeichen Beiruts - eindeutig den Muslimen und die elitären Jacht- und Beachclubs gehören scheinbar den Christen. Unter den Palmen aber, deren Stämme teilweise noch Schusslöcher aufweisen, tummeln sich je nach Tageszeit Jogger, Fahrradfahrer, Touristen, fliegende Händler und Nachtschwärmer in friedlicher Eintracht.
Seit Jahrzehnten dominieren die gleichen Männer das gesellschaftliche und politische Geschehen. Sie heißen Bachir Gemayel, Samir Geagea, Amin Gemayel, Walid Dschumblat, Michel Aoun und Hassan Nasrallah. Ihre Konterfeis schmücken unzählige Hauswände, Mauern, Tore und Autos. Selbstverständlich streng getrennt nach Quartier. Wer gerade mit wem paktiert oder gerade wieder nicht: Das ist eines der großen Rätsel des politischen Tagesgeschäfts im Libanon. Die Menschen und die Medien haben eine Analyse weitgehend aufgegeben. Ob Optimist oder Zyniker, von beiden gibt es in Beirut genug - keinen verbindet noch etwas Positives mit der politischen Klasse des Landes. Zu oft wurden die Hoffnungen der Menschen im Ränkespiel der Macht veräußert. Das letzte Mal geschah das im Jahre 2008, als die Hisbollah das Zentrum von Beirut 18 Monate besetzte, um die Regierung aus dem Amt zu jagen. Seit Juni 2009 verhandelt der gewählte Premier Saad al-Hariri mit allen Parteien über ein Kabinett, ein Abschluss ist nicht in Sicht. Die Bewohner Beiruts kommentieren die politische Entwicklung oft nur noch mit einem Schulterzucken. Ein Blick zurück: Das bedeutet, anzuhalten und über die emotionale und gesellschaftliche Zerstörung ihrer einstmals so einmaligen Lebensgemeinschaft nachzudenken. Es muss weiter gehen, der Blick wird nach Vorne gerichtet. Nur weg vom Gestern hinein in die Zukunft - so kurz sie auch sein mag.
Beirut! O queen of the world
Beirut! O Queen of the world . . . Who sold your ruby-chiselled bracelets? Who took away your magic ring, And cut out your golden nails? Who killed the joy in your green eyes, Slashed your face with a knife, And threw burning acid on your lovely lips? Who poisoned the sea water And sprinkled hatred on your rosy beaches? Here we come . . . to apologize . . . to confess That we fired on you with a tribal spirit . . . And killed a woman . . . once called (Liberty) . . .
What can we say, Beirut . . . When the essence of human sorrow is in your eye And the ashes of civil war on your breast? What can we say, O, summer fan and damask rose? Beirut--Who ever thought we would meet As you lay in ruins? Who ever thought the eye one day would be at war with the lashes? What can we say, my pearl . . . My wheat flower . . . My pen My dream My poem? How could you become cruel When you were as delicate as a nymph? I cannot understand how the sparrow Turned into a wild night cat . . . I cannot understand, at all, O Beirut I cannot understand how you denied God And fell back into paganism . . .
Rise out of the blue wave, Ishtar! Rise up as a rose poem Rise up as a fiery poem There was nothing before you Nothing after you Nothing like you You, quintessence of all time You, field of pearls . . . Harbour of love . . . The peacock of water Rise up for love's sake For the poets The bread The poor Love is beckoning you . . . Queen of Queens . . . God wants you, most beautiful Queen You paid a high price for your beauty As all beauties do You paid a high price For all the words . . .
Nizar Kabbani
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Beirut - Koeniging der WeltBeirut trägt einen malerischen Beinamen: "Paris des Ostens". Seit kurzem wird die libanesische Hauptstadt in Reiseführen und Medien als "die" Partystadt an der Levante gepriesen. Dabei sind seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel nur vier Jahre vergangen, und Grenzgeplänkel mit den Nachbarn gibt es im Halbjahres-Takt. Zudem steht das kleine - theoretisch unabhängige - Land zwischen den Mächten: Der Libanon wird umworben nicht nur von Teheran und dessen Präsidenten Ahmadinedschad, sondern auch von Syrien, von Europa und den USA.
Beirut ist gespalten - und das ist auch der Rest des Landes. Regionen, Viertel und Häuser sind unterteilt in religiöse und politische Einflussräume. Die Grenzen sind meistens nicht zu erkennen und für einen Europäer erst recht kaum nachzuvollziehen. Gäbe es nicht die Rue Damaskus, wo zerbombte Häuser noch immer in den Himmel ragen, und gäbe es nicht die allgegenwärtigen Militärposten der Armee: Dann würde man angesichts des Baubooms und der schicken Autos auf Beiruts Straßen denken: Das muss ein Traum aus 1001 Nacht sein. Doch Beirut ist eben nicht Dubai: Auch wenn die meisten Offroader ein arabisches Kennzeichen haben und sich im wieder aufgebauten Zentrum Flagstores der internationalen Luxusmarken wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Der Osten ist immer noch vorwiegend christlich, der Westen und Süden muslimisch.
Die Menschen in Beirut sind Meister der Verdrängung und des Vergessens. Ein Erbe von 30 Jahren mit Kriegen und Besatzungen durch fremde Mächte - und nicht zuletzt dem Bürgerkrieg. Kaum ist die letzte Bombe gefallen, wird nach vorne geschaut, wird der Schutt zur Seite geschoben, wird neu gebaut. Wie in Dahiye, dem Machtzentrum der Hisbollah. 2006 verwandelten israelische Angriffe es weitgehend in eine Trümmerlandschaft - danach entstanden in Rekordzeit neue Wohnblocks. Im Stadtzentrum errichtet die Firma Solidere des ermordeten, ehemaligen Premier al-Hariri ein Disneyland für superreiche Araber. Authentisch und doch zugleich surreal werden alte Fassaden instand gesetzt, Neubauten aus dem Boden gestampft und einzig eine durchschossene Skulptur am Martyrs' Square hält einsam die Erinnerung an die Tage wach, in denen hier Kriegsgebiet war.
Die Bewohner Beiruts schreiten unaufhaltsam voran. Die Stadt ist teuer, das macht das Überleben nicht einfacher. Jeder wirkt beschäftigt, ist unterwegs auf der Suche nach einem Geschäftsabschluss, einem Job für den Tag oder einer Speisung für sich und die Familie durch Wohltätige. Besonders junge Männer gehen zum Arbeiten ins Ausland. Die Zurückbleibenden arrangieren sich. Sein Viertel verlassen muss niemand wirklich. Durch die religiöse Separation während des Bürgerkrieges sind die Stadtgebiete autark geworden, so dass ein Wechsel in ein anderes Quartier nicht notwendig ist. Nur die Corniche, die lange Küstenpromenade wird von allen gleich genutzt. Hier begegnen sich die 18 Konfessionen der Stadt. Zwar gibt es auch hier Grenzen: So gehört die Taubengrotte - ein Wahrzeichen Beiruts - eindeutig den Muslimen und die elitären Jacht- und Beachclubs gehören scheinbar den Christen. Unter den Palmen aber, deren Stämme teilweise noch Schusslöcher aufweisen, tummeln sich je nach Tageszeit Jogger, Fahrradfahrer, Touristen, fliegende Händler und Nachtschwärmer in friedlicher Eintracht.
Seit Jahrzehnten dominieren die gleichen Männer das gesellschaftliche und politische Geschehen. Sie heißen Bachir Gemayel, Samir Geagea, Amin Gemayel, Walid Dschumblat, Michel Aoun und Hassan Nasrallah. Ihre Konterfeis schmücken unzählige Hauswände, Mauern, Tore und Autos. Selbstverständlich streng getrennt nach Quartier. Wer gerade mit wem paktiert oder gerade wieder nicht: Das ist eines der großen Rätsel des politischen Tagesgeschäfts im Libanon. Die Menschen und die Medien haben eine Analyse weitgehend aufgegeben. Ob Optimist oder Zyniker, von beiden gibt es in Beirut genug - keinen verbindet noch etwas Positives mit der politischen Klasse des Landes. Zu oft wurden die Hoffnungen der Menschen im Ränkespiel der Macht veräußert. Das letzte Mal geschah das im Jahre 2008, als die Hisbollah das Zentrum von Beirut 18 Monate besetzte, um die Regierung aus dem Amt zu jagen. Seit Juni 2009 verhandelt der gewählte Premier Saad al-Hariri mit allen Parteien über ein Kabinett, ein Abschluss ist nicht in Sicht. Die Bewohner Beiruts kommentieren die politische Entwicklung oft nur noch mit einem Schulterzucken. Ein Blick zurück: Das bedeutet, anzuhalten und über die emotionale und gesellschaftliche Zerstörung ihrer einstmals so einmaligen Lebensgemeinschaft nachzudenken. Es muss weiter gehen, der Blick wird nach Vorne gerichtet. Nur weg vom Gestern hinein in die Zukunft - so kurz sie auch sein mag.
Beirut! O queen of the world
Beirut! O Queen of the world . . . Who sold your ruby-chiselled bracelets? Who took away your magic ring, And cut out your golden nails? Who killed the joy in your green eyes, Slashed your face with a knife, And threw burning acid on your lovely lips? Who poisoned the sea water And sprinkled hatred on your rosy beaches? Here we come . . . to apologize . . . to confess That we fired on you with a tribal spirit . . . And killed a woman . . . once called (Liberty) . . .
What can we say, Beirut . . . When the essence of human sorrow is in your eye And the ashes of civil war on your breast? What can we say, O, summer fan and damask rose? Beirut--Who ever thought we would meet As you lay in ruins? Who ever thought the eye one day would be at war with the lashes? What can we say, my pearl . . . My wheat flower . . . My pen My dream My poem? How could you become cruel When you were as delicate as a nymph? I cannot understand how the sparrow Turned into a wild night cat . . . I cannot understand, at all, O Beirut I cannot understand how you denied God And fell back into paganism . . .
Rise out of the blue wave, Ishtar! Rise up as a rose poem Rise up as a fiery poem There was nothing before you Nothing after you Nothing like you You, quintessence of all time You, field of pearls . . . Harbour of love . . . The peacock of water Rise up for love's sake For the poets The bread The poor Love is beckoning you . . . Queen of Queens . . . God wants you, most beautiful Queen You paid a high price for your beauty As all beauties do You paid a high price For all the words . . .
Nizar Kabbani
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Beirut - Koeniging der WeltBeirut trägt einen malerischen Beinamen: "Paris des Ostens". Seit kurzem wird die libanesische Hauptstadt in Reiseführen und Medien als "die" Partystadt an der Levante gepriesen. Dabei sind seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel nur vier Jahre vergangen, und Grenzgeplänkel mit den Nachbarn gibt es im Halbjahres-Takt. Zudem steht das kleine - theoretisch unabhängige - Land zwischen den Mächten: Der Libanon wird umworben nicht nur von Teheran und dessen Präsidenten Ahmadinedschad, sondern auch von Syrien, von Europa und den USA.
Beirut ist gespalten - und das ist auch der Rest des Landes. Regionen, Viertel und Häuser sind unterteilt in religiöse und politische Einflussräume. Die Grenzen sind meistens nicht zu erkennen und für einen Europäer erst recht kaum nachzuvollziehen. Gäbe es nicht die Rue Damaskus, wo zerbombte Häuser noch immer in den Himmel ragen, und gäbe es nicht die allgegenwärtigen Militärposten der Armee: Dann würde man angesichts des Baubooms und der schicken Autos auf Beiruts Straßen denken: Das muss ein Traum aus 1001 Nacht sein. Doch Beirut ist eben nicht Dubai: Auch wenn die meisten Offroader ein arabisches Kennzeichen haben und sich im wieder aufgebauten Zentrum Flagstores der internationalen Luxusmarken wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Der Osten ist immer noch vorwiegend christlich, der Westen und Süden muslimisch.
Die Menschen in Beirut sind Meister der Verdrängung und des Vergessens. Ein Erbe von 30 Jahren mit Kriegen und Besatzungen durch fremde Mächte - und nicht zuletzt dem Bürgerkrieg. Kaum ist die letzte Bombe gefallen, wird nach vorne geschaut, wird der Schutt zur Seite geschoben, wird neu gebaut. Wie in Dahiye, dem Machtzentrum der Hisbollah. 2006 verwandelten israelische Angriffe es weitgehend in eine Trümmerlandschaft - danach entstanden in Rekordzeit neue Wohnblocks. Im Stadtzentrum errichtet die Firma Solidere des ermordeten, ehemaligen Premier al-Hariri ein Disneyland für superreiche Araber. Authentisch und doch zugleich surreal werden alte Fassaden instand gesetzt, Neubauten aus dem Boden gestampft und einzig eine durchschossene Skulptur am Martyrs' Square hält einsam die Erinnerung an die Tage wach, in denen hier Kriegsgebiet war.
Die Bewohner Beiruts schreiten unaufhaltsam voran. Die Stadt ist teuer, das macht das Überleben nicht einfacher. Jeder wirkt beschäftigt, ist unterwegs auf der Suche nach einem Geschäftsabschluss, einem Job für den Tag oder einer Speisung für sich und die Familie durch Wohltätige. Besonders junge Männer gehen zum Arbeiten ins Ausland. Die Zurückbleibenden arrangieren sich. Sein Viertel verlassen muss niemand wirklich. Durch die religiöse Separation während des Bürgerkrieges sind die Stadtgebiete autark geworden, so dass ein Wechsel in ein anderes Quartier nicht notwendig ist. Nur die Corniche, die lange Küstenpromenade wird von allen gleich genutzt. Hier begegnen sich die 18 Konfessionen der Stadt. Zwar gibt es auch hier Grenzen: So gehört die Taubengrotte - ein Wahrzeichen Beiruts - eindeutig den Muslimen und die elitären Jacht- und Beachclubs gehören scheinbar den Christen. Unter den Palmen aber, deren Stämme teilweise noch Schusslöcher aufweisen, tummeln sich je nach Tageszeit Jogger, Fahrradfahrer, Touristen, fliegende Händler und Nachtschwärmer in friedlicher Eintracht.
Seit Jahrzehnten dominieren die gleichen Männer das gesellschaftliche und politische Geschehen. Sie heißen Bachir Gemayel, Samir Geagea, Amin Gemayel, Walid Dschumblat, Michel Aoun und Hassan Nasrallah. Ihre Konterfeis schmücken unzählige Hauswände, Mauern, Tore und Autos. Selbstverständlich streng getrennt nach Quartier. Wer gerade mit wem paktiert oder gerade wieder nicht: Das ist eines der großen Rätsel des politischen Tagesgeschäfts im Libanon. Die Menschen und die Medien haben eine Analyse weitgehend aufgegeben. Ob Optimist oder Zyniker, von beiden gibt es in Beirut genug - keinen verbindet noch etwas Positives mit der politischen Klasse des Landes. Zu oft wurden die Hoffnungen der Menschen im Ränkespiel der Macht veräußert. Das letzte Mal geschah das im Jahre 2008, als die Hisbollah das Zentrum von Beirut 18 Monate besetzte, um die Regierung aus dem Amt zu jagen. Seit Juni 2009 verhandelt der gewählte Premier Saad al-Hariri mit allen Parteien über ein Kabinett, ein Abschluss ist nicht in Sicht. Die Bewohner Beiruts kommentieren die politische Entwicklung oft nur noch mit einem Schulterzucken. Ein Blick zurück: Das bedeutet, anzuhalten und über die emotionale und gesellschaftliche Zerstörung ihrer einstmals so einmaligen Lebensgemeinschaft nachzudenken. Es muss weiter gehen, der Blick wird nach Vorne gerichtet. Nur weg vom Gestern hinein in die Zukunft - so kurz sie auch sein mag.
Beirut! O queen of the world
Beirut! O Queen of the world . . . Who sold your ruby-chiselled bracelets? Who took away your magic ring, And cut out your golden nails? Who killed the joy in your green eyes, Slashed your face with a knife, And threw burning acid on your lovely lips? Who poisoned the sea water And sprinkled hatred on your rosy beaches? Here we come . . . to apologize . . . to confess That we fired on you with a tribal spirit . . . And killed a woman . . . once called (Liberty) . . .
What can we say, Beirut . . . When the essence of human sorrow is in your eye And the ashes of civil war on your breast? What can we say, O, summer fan and damask rose? Beirut--Who ever thought we would meet As you lay in ruins? Who ever thought the eye one day would be at war with the lashes? What can we say, my pearl . . . My wheat flower . . . My pen My dream My poem? How could you become cruel When you were as delicate as a nymph? I cannot understand how the sparrow Turned into a wild night cat . . . I cannot understand, at all, O Beirut I cannot understand how you denied God And fell back into paganism . . .
Rise out of the blue wave, Ishtar! Rise up as a rose poem Rise up as a fiery poem There was nothing before you Nothing after you Nothing like you You, quintessence of all time You, field of pearls . . . Harbour of love . . . The peacock of water Rise up for love's sake For the poets The bread The poor Love is beckoning you . . . Queen of Queens . . . God wants you, most beautiful Queen You paid a high price for your beauty As all beauties do You paid a high price For all the words . . .
Nizar Kabbani
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Beirut - Koeniging der WeltBeirut trägt einen malerischen Beinamen: "Paris des Ostens". Seit kurzem wird die libanesische Hauptstadt in Reiseführen und Medien als "die" Partystadt an der Levante gepriesen. Dabei sind seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel nur vier Jahre vergangen, und Grenzgeplänkel mit den Nachbarn gibt es im Halbjahres-Takt. Zudem steht das kleine - theoretisch unabhängige - Land zwischen den Mächten: Der Libanon wird umworben nicht nur von Teheran und dessen Präsidenten Ahmadinedschad, sondern auch von Syrien, von Europa und den USA.
Beirut ist gespalten - und das ist auch der Rest des Landes. Regionen, Viertel und Häuser sind unterteilt in religiöse und politische Einflussräume. Die Grenzen sind meistens nicht zu erkennen und für einen Europäer erst recht kaum nachzuvollziehen. Gäbe es nicht die Rue Damaskus, wo zerbombte Häuser noch immer in den Himmel ragen, und gäbe es nicht die allgegenwärtigen Militärposten der Armee: Dann würde man angesichts des Baubooms und der schicken Autos auf Beiruts Straßen denken: Das muss ein Traum aus 1001 Nacht sein. Doch Beirut ist eben nicht Dubai: Auch wenn die meisten Offroader ein arabisches Kennzeichen haben und sich im wieder aufgebauten Zentrum Flagstores der internationalen Luxusmarken wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Der Osten ist immer noch vorwiegend christlich, der Westen und Süden muslimisch.
Die Menschen in Beirut sind Meister der Verdrängung und des Vergessens. Ein Erbe von 30 Jahren mit Kriegen und Besatzungen durch fremde Mächte - und nicht zuletzt dem Bürgerkrieg. Kaum ist die letzte Bombe gefallen, wird nach vorne geschaut, wird der Schutt zur Seite geschoben, wird neu gebaut. Wie in Dahiye, dem Machtzentrum der Hisbollah. 2006 verwandelten israelische Angriffe es weitgehend in eine Trümmerlandschaft - danach entstanden in Rekordzeit neue Wohnblocks. Im Stadtzentrum errichtet die Firma Solidere des ermordeten, ehemaligen Premier al-Hariri ein Disneyland für superreiche Araber. Authentisch und doch zugleich surreal werden alte Fassaden instand gesetzt, Neubauten aus dem Boden gestampft und einzig eine durchschossene Skulptur am Martyrs' Square hält einsam die Erinnerung an die Tage wach, in denen hier Kriegsgebiet war.
Die Bewohner Beiruts schreiten unaufhaltsam voran. Die Stadt ist teuer, das macht das Überleben nicht einfacher. Jeder wirkt beschäftigt, ist unterwegs auf der Suche nach einem Geschäftsabschluss, einem Job für den Tag oder einer Speisung für sich und die Familie durch Wohltätige. Besonders junge Männer gehen zum Arbeiten ins Ausland. Die Zurückbleibenden arrangieren sich. Sein Viertel verlassen muss niemand wirklich. Durch die religiöse Separation während des Bürgerkrieges sind die Stadtgebiete autark geworden, so dass ein Wechsel in ein anderes Quartier nicht notwendig ist. Nur die Corniche, die lange Küstenpromenade wird von allen gleich genutzt. Hier begegnen sich die 18 Konfessionen der Stadt. Zwar gibt es auch hier Grenzen: So gehört die Taubengrotte - ein Wahrzeichen Beiruts - eindeutig den Muslimen und die elitären Jacht- und Beachclubs gehören scheinbar den Christen. Unter den Palmen aber, deren Stämme teilweise noch Schusslöcher aufweisen, tummeln sich je nach Tageszeit Jogger, Fahrradfahrer, Touristen, fliegende Händler und Nachtschwärmer in friedlicher Eintracht.
Seit Jahrzehnten dominieren die gleichen Männer das gesellschaftliche und politische Geschehen. Sie heißen Bachir Gemayel, Samir Geagea, Amin Gemayel, Walid Dschumblat, Michel Aoun und Hassan Nasrallah. Ihre Konterfeis schmücken unzählige Hauswände, Mauern, Tore und Autos. Selbstverständlich streng getrennt nach Quartier. Wer gerade mit wem paktiert oder gerade wieder nicht: Das ist eines der großen Rätsel des politischen Tagesgeschäfts im Libanon. Die Menschen und die Medien haben eine Analyse weitgehend aufgegeben. Ob Optimist oder Zyniker, von beiden gibt es in Beirut genug - keinen verbindet noch etwas Positives mit der politischen Klasse des Landes. Zu oft wurden die Hoffnungen der Menschen im Ränkespiel der Macht veräußert. Das letzte Mal geschah das im Jahre 2008, als die Hisbollah das Zentrum von Beirut 18 Monate besetzte, um die Regierung aus dem Amt zu jagen. Seit Juni 2009 verhandelt der gewählte Premier Saad al-Hariri mit allen Parteien über ein Kabinett, ein Abschluss ist nicht in Sicht. Die Bewohner Beiruts kommentieren die politische Entwicklung oft nur noch mit einem Schulterzucken. Ein Blick zurück: Das bedeutet, anzuhalten und über die emotionale und gesellschaftliche Zerstörung ihrer einstmals so einmaligen Lebensgemeinschaft nachzudenken. Es muss weiter gehen, der Blick wird nach Vorne gerichtet. Nur weg vom Gestern hinein in die Zukunft - so kurz sie auch sein mag.
Beirut! O queen of the world
Beirut! O Queen of the world . . . Who sold your ruby-chiselled bracelets? Who took away your magic ring, And cut out your golden nails? Who killed the joy in your green eyes, Slashed your face with a knife, And threw burning acid on your lovely lips? Who poisoned the sea water And sprinkled hatred on your rosy beaches? Here we come . . . to apologize . . . to confess That we fired on you with a tribal spirit . . . And killed a woman . . . once called (Liberty) . . .
What can we say, Beirut . . . When the essence of human sorrow is in your eye And the ashes of civil war on your breast? What can we say, O, summer fan and damask rose? Beirut--Who ever thought we would meet As you lay in ruins? Who ever thought the eye one day would be at war with the lashes? What can we say, my pearl . . . My wheat flower . . . My pen My dream My poem? How could you become cruel When you were as delicate as a nymph? I cannot understand how the sparrow Turned into a wild night cat . . . I cannot understand, at all, O Beirut I cannot understand how you denied God And fell back into paganism . . .
Rise out of the blue wave, Ishtar! Rise up as a rose poem Rise up as a fiery poem There was nothing before you Nothing after you Nothing like you You, quintessence of all time You, field of pearls . . . Harbour of love . . . The peacock of water Rise up for love's sake For the poets The bread The poor Love is beckoning you . . . Queen of Queens . . . God wants you, most beautiful Queen You paid a high price for your beauty As all beauties do You paid a high price For all the words . . .
Nizar Kabbani
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Beirut - Koeniging der WeltBeirut trägt einen malerischen Beinamen: "Paris des Ostens". Seit kurzem wird die libanesische Hauptstadt in Reiseführen und Medien als "die" Partystadt an der Levante gepriesen. Dabei sind seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel nur vier Jahre vergangen, und Grenzgeplänkel mit den Nachbarn gibt es im Halbjahres-Takt. Zudem steht das kleine - theoretisch unabhängige - Land zwischen den Mächten: Der Libanon wird umworben nicht nur von Teheran und dessen Präsidenten Ahmadinedschad, sondern auch von Syrien, von Europa und den USA.
Beirut ist gespalten - und das ist auch der Rest des Landes. Regionen, Viertel und Häuser sind unterteilt in religiöse und politische Einflussräume. Die Grenzen sind meistens nicht zu erkennen und für einen Europäer erst recht kaum nachzuvollziehen. Gäbe es nicht die Rue Damaskus, wo zerbombte Häuser noch immer in den Himmel ragen, und gäbe es nicht die allgegenwärtigen Militärposten der Armee: Dann würde man angesichts des Baubooms und der schicken Autos auf Beiruts Straßen denken: Das muss ein Traum aus 1001 Nacht sein. Doch Beirut ist eben nicht Dubai: Auch wenn die meisten Offroader ein arabisches Kennzeichen haben und sich im wieder aufgebauten Zentrum Flagstores der internationalen Luxusmarken wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Der Osten ist immer noch vorwiegend christlich, der Westen und Süden muslimisch.
Die Menschen in Beirut sind Meister der Verdrängung und des Vergessens. Ein Erbe von 30 Jahren mit Kriegen und Besatzungen durch fremde Mächte - und nicht zuletzt dem Bürgerkrieg. Kaum ist die letzte Bombe gefallen, wird nach vorne geschaut, wird der Schutt zur Seite geschoben, wird neu gebaut. Wie in Dahiye, dem Machtzentrum der Hisbollah. 2006 verwandelten israelische Angriffe es weitgehend in eine Trümmerlandschaft - danach entstanden in Rekordzeit neue Wohnblocks. Im Stadtzentrum errichtet die Firma Solidere des ermordeten, ehemaligen Premier al-Hariri ein Disneyland für superreiche Araber. Authentisch und doch zugleich surreal werden alte Fassaden instand gesetzt, Neubauten aus dem Boden gestampft und einzig eine durchschossene Skulptur am Martyrs' Square hält einsam die Erinnerung an die Tage wach, in denen hier Kriegsgebiet war.
Die Bewohner Beiruts schreiten unaufhaltsam voran. Die Stadt ist teuer, das macht das Überleben nicht einfacher. Jeder wirkt beschäftigt, ist unterwegs auf der Suche nach einem Geschäftsabschluss, einem Job für den Tag oder einer Speisung für sich und die Familie durch Wohltätige. Besonders junge Männer gehen zum Arbeiten ins Ausland. Die Zurückbleibenden arrangieren sich. Sein Viertel verlassen muss niemand wirklich. Durch die religiöse Separation während des Bürgerkrieges sind die Stadtgebiete autark geworden, so dass ein Wechsel in ein anderes Quartier nicht notwendig ist. Nur die Corniche, die lange Küstenpromenade wird von allen gleich genutzt. Hier begegnen sich die 18 Konfessionen der Stadt. Zwar gibt es auch hier Grenzen: So gehört die Taubengrotte - ein Wahrzeichen Beiruts - eindeutig den Muslimen und die elitären Jacht- und Beachclubs gehören scheinbar den Christen. Unter den Palmen aber, deren Stämme teilweise noch Schusslöcher aufweisen, tummeln sich je nach Tageszeit Jogger, Fahrradfahrer, Touristen, fliegende Händler und Nachtschwärmer in friedlicher Eintracht.
Seit Jahrzehnten dominieren die gleichen Männer das gesellschaftliche und politische Geschehen. Sie heißen Bachir Gemayel, Samir Geagea, Amin Gemayel, Walid Dschumblat, Michel Aoun und Hassan Nasrallah. Ihre Konterfeis schmücken unzählige Hauswände, Mauern, Tore und Autos. Selbstverständlich streng getrennt nach Quartier. Wer gerade mit wem paktiert oder gerade wieder nicht: Das ist eines der großen Rätsel des politischen Tagesgeschäfts im Libanon. Die Menschen und die Medien haben eine Analyse weitgehend aufgegeben. Ob Optimist oder Zyniker, von beiden gibt es in Beirut genug - keinen verbindet noch etwas Positives mit der politischen Klasse des Landes. Zu oft wurden die Hoffnungen der Menschen im Ränkespiel der Macht veräußert. Das letzte Mal geschah das im Jahre 2008, als die Hisbollah das Zentrum von Beirut 18 Monate besetzte, um die Regierung aus dem Amt zu jagen. Seit Juni 2009 verhandelt der gewählte Premier Saad al-Hariri mit allen Parteien über ein Kabinett, ein Abschluss ist nicht in Sicht. Die Bewohner Beiruts kommentieren die politische Entwicklung oft nur noch mit einem Schulterzucken. Ein Blick zurück: Das bedeutet, anzuhalten und über die emotionale und gesellschaftliche Zerstörung ihrer einstmals so einmaligen Lebensgemeinschaft nachzudenken. Es muss weiter gehen, der Blick wird nach Vorne gerichtet. Nur weg vom Gestern hinein in die Zukunft - so kurz sie auch sein mag.
Beirut! O queen of the world
Beirut! O Queen of the world . . . Who sold your ruby-chiselled bracelets? Who took away your magic ring, And cut out your golden nails? Who killed the joy in your green eyes, Slashed your face with a knife, And threw burning acid on your lovely lips? Who poisoned the sea water And sprinkled hatred on your rosy beaches? Here we come . . . to apologize . . . to confess That we fired on you with a tribal spirit . . . And killed a woman . . . once called (Liberty) . . .
What can we say, Beirut . . . When the essence of human sorrow is in your eye And the ashes of civil war on your breast? What can we say, O, summer fan and damask rose? Beirut--Who ever thought we would meet As you lay in ruins? Who ever thought the eye one day would be at war with the lashes? What can we say, my pearl . . . My wheat flower . . . My pen My dream My poem? How could you become cruel When you were as delicate as a nymph? I cannot understand how the sparrow Turned into a wild night cat . . . I cannot understand, at all, O Beirut I cannot understand how you denied God And fell back into paganism . . .
Rise out of the blue wave, Ishtar! Rise up as a rose poem Rise up as a fiery poem There was nothing before you Nothing after you Nothing like you You, quintessence of all time You, field of pearls . . . Harbour of love . . . The peacock of water Rise up for love's sake For the poets The bread The poor Love is beckoning you . . . Queen of Queens . . . God wants you, most beautiful Queen You paid a high price for your beauty As all beauties do You paid a high price For all the words . . .
Nizar Kabbani
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Beirut - Koeniging der WeltBeirut trägt einen malerischen Beinamen: "Paris des Ostens". Seit kurzem wird die libanesische Hauptstadt in Reiseführen und Medien als "die" Partystadt an der Levante gepriesen. Dabei sind seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel nur vier Jahre vergangen, und Grenzgeplänkel mit den Nachbarn gibt es im Halbjahres-Takt. Zudem steht das kleine - theoretisch unabhängige - Land zwischen den Mächten: Der Libanon wird umworben nicht nur von Teheran und dessen Präsidenten Ahmadinedschad, sondern auch von Syrien, von Europa und den USA.
Beirut ist gespalten - und das ist auch der Rest des Landes. Regionen, Viertel und Häuser sind unterteilt in religiöse und politische Einflussräume. Die Grenzen sind meistens nicht zu erkennen und für einen Europäer erst recht kaum nachzuvollziehen. Gäbe es nicht die Rue Damaskus, wo zerbombte Häuser noch immer in den Himmel ragen, und gäbe es nicht die allgegenwärtigen Militärposten der Armee: Dann würde man angesichts des Baubooms und der schicken Autos auf Beiruts Straßen denken: Das muss ein Traum aus 1001 Nacht sein. Doch Beirut ist eben nicht Dubai: Auch wenn die meisten Offroader ein arabisches Kennzeichen haben und sich im wieder aufgebauten Zentrum Flagstores der internationalen Luxusmarken wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Der Osten ist immer noch vorwiegend christlich, der Westen und Süden muslimisch.
Die Menschen in Beirut sind Meister der Verdrängung und des Vergessens. Ein Erbe von 30 Jahren mit Kriegen und Besatzungen durch fremde Mächte - und nicht zuletzt dem Bürgerkrieg. Kaum ist die letzte Bombe gefallen, wird nach vorne geschaut, wird der Schutt zur Seite geschoben, wird neu gebaut. Wie in Dahiye, dem Machtzentrum der Hisbollah. 2006 verwandelten israelische Angriffe es weitgehend in eine Trümmerlandschaft - danach entstanden in Rekordzeit neue Wohnblocks. Im Stadtzentrum errichtet die Firma Solidere des ermordeten, ehemaligen Premier al-Hariri ein Disneyland für superreiche Araber. Authentisch und doch zugleich surreal werden alte Fassaden instand gesetzt, Neubauten aus dem Boden gestampft und einzig eine durchschossene Skulptur am Martyrs' Square hält einsam die Erinnerung an die Tage wach, in denen hier Kriegsgebiet war.
Die Bewohner Beiruts schreiten unaufhaltsam voran. Die Stadt ist teuer, das macht das Überleben nicht einfacher. Jeder wirkt beschäftigt, ist unterwegs auf der Suche nach einem Geschäftsabschluss, einem Job für den Tag oder einer Speisung für sich und die Familie durch Wohltätige. Besonders junge Männer gehen zum Arbeiten ins Ausland. Die Zurückbleibenden arrangieren sich. Sein Viertel verlassen muss niemand wirklich. Durch die religiöse Separation während des Bürgerkrieges sind die Stadtgebiete autark geworden, so dass ein Wechsel in ein anderes Quartier nicht notwendig ist. Nur die Corniche, die lange Küstenpromenade wird von allen gleich genutzt. Hier begegnen sich die 18 Konfessionen der Stadt. Zwar gibt es auch hier Grenzen: So gehört die Taubengrotte - ein Wahrzeichen Beiruts - eindeutig den Muslimen und die elitären Jacht- und Beachclubs gehören scheinbar den Christen. Unter den Palmen aber, deren Stämme teilweise noch Schusslöcher aufweisen, tummeln sich je nach Tageszeit Jogger, Fahrradfahrer, Touristen, fliegende Händler und Nachtschwärmer in friedlicher Eintracht.
Seit Jahrzehnten dominieren die gleichen Männer das gesellschaftliche und politische Geschehen. Sie heißen Bachir Gemayel, Samir Geagea, Amin Gemayel, Walid Dschumblat, Michel Aoun und Hassan Nasrallah. Ihre Konterfeis schmücken unzählige Hauswände, Mauern, Tore und Autos. Selbstverständlich streng getrennt nach Quartier. Wer gerade mit wem paktiert oder gerade wieder nicht: Das ist eines der großen Rätsel des politischen Tagesgeschäfts im Libanon. Die Menschen und die Medien haben eine Analyse weitgehend aufgegeben. Ob Optimist oder Zyniker, von beiden gibt es in Beirut genug - keinen verbindet noch etwas Positives mit der politischen Klasse des Landes. Zu oft wurden die Hoffnungen der Menschen im Ränkespiel der Macht veräußert. Das letzte Mal geschah das im Jahre 2008, als die Hisbollah das Zentrum von Beirut 18 Monate besetzte, um die Regierung aus dem Amt zu jagen. Seit Juni 2009 verhandelt der gewählte Premier Saad al-Hariri mit allen Parteien über ein Kabinett, ein Abschluss ist nicht in Sicht. Die Bewohner Beiruts kommentieren die politische Entwicklung oft nur noch mit einem Schulterzucken. Ein Blick zurück: Das bedeutet, anzuhalten und über die emotionale und gesellschaftliche Zerstörung ihrer einstmals so einmaligen Lebensgemeinschaft nachzudenken. Es muss weiter gehen, der Blick wird nach Vorne gerichtet. Nur weg vom Gestern hinein in die Zukunft - so kurz sie auch sein mag.
Beirut! O queen of the world
Beirut! O Queen of the world . . . Who sold your ruby-chiselled bracelets? Who took away your magic ring, And cut out your golden nails? Who killed the joy in your green eyes, Slashed your face with a knife, And threw burning acid on your lovely lips? Who poisoned the sea water And sprinkled hatred on your rosy beaches? Here we come . . . to apologize . . . to confess That we fired on you with a tribal spirit . . . And killed a woman . . . once called (Liberty) . . .
What can we say, Beirut . . . When the essence of human sorrow is in your eye And the ashes of civil war on your breast? What can we say, O, summer fan and damask rose? Beirut--Who ever thought we would meet As you lay in ruins? Who ever thought the eye one day would be at war with the lashes? What can we say, my pearl . . . My wheat flower . . . My pen My dream My poem? How could you become cruel When you were as delicate as a nymph? I cannot understand how the sparrow Turned into a wild night cat . . . I cannot understand, at all, O Beirut I cannot understand how you denied God And fell back into paganism . . .
Rise out of the blue wave, Ishtar! Rise up as a rose poem Rise up as a fiery poem There was nothing before you Nothing after you Nothing like you You, quintessence of all time You, field of pearls . . . Harbour of love . . . The peacock of water Rise up for love's sake For the poets The bread The poor Love is beckoning you . . . Queen of Queens . . . God wants you, most beautiful Queen You paid a high price for your beauty As all beauties do You paid a high price For all the words . . .
Nizar Kabbani
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Beirut - Koeniging der WeltBeirut trägt einen malerischen Beinamen: "Paris des Ostens". Seit kurzem wird die libanesische Hauptstadt in Reiseführen und Medien als "die" Partystadt an der Levante gepriesen. Dabei sind seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel nur vier Jahre vergangen, und Grenzgeplänkel mit den Nachbarn gibt es im Halbjahres-Takt. Zudem steht das kleine - theoretisch unabhängige - Land zwischen den Mächten: Der Libanon wird umworben nicht nur von Teheran und dessen Präsidenten Ahmadinedschad, sondern auch von Syrien, von Europa und den USA.
Beirut ist gespalten - und das ist auch der Rest des Landes. Regionen, Viertel und Häuser sind unterteilt in religiöse und politische Einflussräume. Die Grenzen sind meistens nicht zu erkennen und für einen Europäer erst recht kaum nachzuvollziehen. Gäbe es nicht die Rue Damaskus, wo zerbombte Häuser noch immer in den Himmel ragen, und gäbe es nicht die allgegenwärtigen Militärposten der Armee: Dann würde man angesichts des Baubooms und der schicken Autos auf Beiruts Straßen denken: Das muss ein Traum aus 1001 Nacht sein. Doch Beirut ist eben nicht Dubai: Auch wenn die meisten Offroader ein arabisches Kennzeichen haben und sich im wieder aufgebauten Zentrum Flagstores der internationalen Luxusmarken wie Perlen an einer Kette aneinander reihen. Der Osten ist immer noch vorwiegend christlich, der Westen und Süden muslimisch.
Die Menschen in Beirut sind Meister der Verdrängung und des Vergessens. Ein Erbe von 30 Jahren mit Kriegen und Besatzungen durch fremde Mächte - und nicht zuletzt dem Bürgerkrieg. Kaum ist die letzte Bombe gefallen, wird nach vorne geschaut, wird der Schutt zur Seite geschoben, wird neu gebaut. Wie in Dahiye, dem Machtzentrum der Hisbollah. 2006 verwandelten israelische Angriffe es weitgehend in eine Trümmerlandschaft - danach entstanden in Rekordzeit neue Wohnblocks. Im Stadtzentrum errichtet die Firma Solidere des ermordeten, ehemaligen Premier al-Hariri ein Disneyland für superreiche Araber. Authentisch und doch zugleich surreal werden alte Fassaden instand gesetzt, Neubauten aus dem Boden gestampft und einzig eine durchschossene Skulptur am Martyrs' Square hält einsam die Erinnerung an die Tage wach, in denen hier Kriegsgebiet war.
Die Bewohner Beiruts schreiten unaufhaltsam voran. Die Stadt ist teuer, das macht das Überleben nicht einfacher. Jeder wirkt beschäftigt, ist unterwegs auf der Suche nach einem Geschäftsabschluss, einem Job für den Tag oder einer Speisung für sich und die Familie durch Wohltätige. Besonders junge Männer gehen zum Arbeiten ins Ausland. Die Zurückbleibenden arrangieren sich. Sein Viertel verlassen muss niemand wirklich. Durch die religiöse Separation während des Bürgerkrieges sind die Stadtgebiete autark geworden, so dass ein Wechsel in ein anderes Quartier nicht notwendig ist. Nur die Corniche, die lange Küstenpromenade wird von allen gleich genutzt. Hier begegnen sich die 18 Konfessionen der Stadt. Zwar gibt es auch hier Grenzen: So gehört die Taubengrotte - ein Wahrzeichen Beiruts - eindeutig den Muslimen und die elitären Jacht- und Beachclubs gehören scheinbar den Christen. Unter den Palmen aber, deren Stämme teilweise noch Schusslöcher aufweisen, tummeln sich je nach Tageszeit Jogger, Fahrradfahrer, Touristen, fliegende Händler und Nachtschwärmer in friedlicher Eintracht.
Seit Jahrzehnten dominieren die gleichen Männer das gesellschaftliche und politische Geschehen. Sie heißen Bachir Gemayel, Samir Geagea, Amin Gemayel, Walid Dschumblat, Michel Aoun und Hassan Nasrallah. Ihre Konterfeis schmücken unzählige Hauswände, Mauern, Tore und Autos. Selbstverständlich streng getrennt nach Quartier. Wer gerade mit wem paktiert oder gerade wieder nicht: Das ist eines der großen Rätsel des politischen Tagesgeschäfts im Libanon. Die Menschen und die Medien haben eine Analyse weitgehend aufgegeben. Ob Optimist oder Zyniker, von beiden gibt es in Beirut genug - keinen verbindet noch etwas Positives mit der politischen Klasse des Landes. Zu oft wurden die Hoffnungen der Menschen im Ränkespiel der Macht veräußert. Das letzte Mal geschah das im Jahre 2008, als die Hisbollah das Zentrum von Beirut 18 Monate besetzte, um die Regierung aus dem Amt zu jagen. Seit Juni 2009 verhandelt der gewählte Premier Saad al-Hariri mit allen Parteien über ein Kabinett, ein Abschluss ist nicht in Sicht. Die Bewohner Beiruts kommentieren die politische Entwicklung oft nur noch mit einem Schulterzucken. Ein Blick zurück: Das bedeutet, anzuhalten und über die emotionale und gesellschaftliche Zerstörung ihrer einstmals so einmaligen Lebensgemeinschaft nachzudenken. Es muss weiter gehen, der Blick wird nach Vorne gerichtet. Nur weg vom Gestern hinein in die Zukunft - so kurz sie auch sein mag.
Beirut! O queen of the world
Beirut! O Queen of the world . . . Who sold your ruby-chiselled bracelets? Who took away your magic ring, And cut out your golden nails? Who killed the joy in your green eyes, Slashed your face with a knife, And threw burning acid on your lovely lips? Who poisoned the sea water And sprinkled hatred on your rosy beaches? Here we come . . . to apologize . . . to confess That we fired on you with a tribal spirit . . . And killed a woman . . . once called (Liberty) . . .
What can we say, Beirut . . . When the essence of human sorrow is in your eye And the ashes of civil war on your breast? What can we say, O, summer fan and damask rose? Beirut--Who ever thought we would meet As you lay in ruins? Who ever thought the eye one day would be at war with the lashes? What can we say, my pearl . . . My wheat flower . . . My pen My dream My poem? How could you become cruel When you were as delicate as a nymph? I cannot understand how the sparrow Turned into a wild night cat . . . I cannot understand, at all, O Beirut I cannot understand how you denied God And fell back into paganism . . .
Rise out of the blue wave, Ishtar! Rise up as a rose poem Rise up as a fiery poem There was nothing before you Nothing after you Nothing like you You, quintessence of all time You, field of pearls . . . Harbour of love . . . The peacock of water Rise up for love's sake For the poets The bread The poor Love is beckoning you . . . Queen of Queens . . . God wants you, most beautiful Queen You paid a high price for your beauty As all beauties do You paid a high price For all the words . . .
Nizar Kabbani